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BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND ABC um Alpha

Manfred Grunert: »Die Verhältnisse der Alpha C.« Rütten + Loening; 224 Seiten; 18 Mark.
aus DER SPIEGEL 39/1968

Abusch und Bebusch sind ehemalige Bürger der DDR. Abusch will im Westen Geld, Bebusch Filme machen. Beide scheitern, woran Cebusch nicht ganz unschuldig ist. Cebusch, alter Bundesrepublikaner, Psychotherapeut, Opportunist und zukünftiger Politiker, wird von Esbusch gefördert, einer obskuren Hintergrundfigur, die wohl an Franz-Josef Strauß erinnern soll. Ebenfalls im Dunkeln bleibt DDR-Flüchtling Quaas, im Osten Arbeiter, im Westen Zuhälter.

Die gesamte ABC-Truppe kreist um Alpha, Tochter des Industriellen Krösus. Alpha kontaktet sexuell A- und Bebusch (Cebusch, ihr Mann, ist Päderast); lesbisch verkehrt sie mit Beta, einem eher einfachen Geschöpf. Am Ende ist Alpha tot, ein Mörder schnell zur Hand und ein Abgrund menschlicher Niedertracht aufgetan.

Manfred Grunert. 34, bis 1955 Literaturstudent in Leipzig, seither in München tätig, nennt sein aus Briefen der Hauptpersonen komponiertes Erstlingswerk »eine westöstliche Fiktion«. Er macht sie mit politischen, wirtschaftlichen und (sexual-)technischen Details dingfest; so kann sie als vehementer Versuch genommen werden, die Gesellschaft von einer horizontalen zwischenmenschlichen Operationsbasis aus zu kritisieren,

Der Briefroman-Trick gelingt freilich nicht ganz: Alle Korrespondenten schreiben zu sehr wie Grunert. Doch indem seine literarischen Figuren selbst Literatur produzieren, werden sie als verlogene Selbstbeschwichtiger entlarvt.

Einer ist sogar mit Romanfragmenten vertreten: Herr Bebusch dichtet zeitgemäß über den östlichen Teil der westöstlichen Fiktion. Trotzdem bleibt die DDR fernes, unwirkliches Land.

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