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Abgestaubter Brecht-Klassiker

aus DER SPIEGEL 51/1990

Am Morgen des 7. Dezember 1930 versammelten sich in einem Berliner Telefunken-Studio einige der berühmtesten Künstler der neuen Theater-Sachlichkeit. Auf vier Schellackplatten wollten sie der Nachwelt die gängigsten Hits des größten Überraschungserfolgs der letzten Jahre in einer authentischen Version hinterlassen. Textautor Bert Brecht hatte für dieses inzwischen längst zum knisternden Klassiker gereifte Tondokument seiner »Dreigroschenoper« eigens pfiffig-knappe Überleitungen zu den Songs von Kurt Weill geschrieben. 60 Jahre später klingen die Stimmen von Lotte Lenya, Kurt Gerron, Erich Ponto und Willi Trenk-Trebitsch plötzlich wieder taufrisch. Denn für eine CD-Wiederveröffentlichung (Teldec) wurde mit einem aufwendigen Verfahren - einer Nasa-Entwicklung für störungsfreien Funk-Empfang aus dem All - alles Rauschen, Knistern und Knacken, das sonst bei Akustik-Antiquitäten unvermeidlich ist, elektronisch weggezaubert. Das abgestaubte Historical klingt nun so knackig aufgemöbelt und hochglanzpoliert, daß Nostalgikern das Rillen-Rauschen fast schon wieder fehlen wird.

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