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Gestorben Adam Zagajewski, 75

aus DER SPIEGEL 13/2021
Foto: Basso Cannarsa / Opale / Leemage / laif

In Lemberg kam er am 21. Juni 1945 auf die Welt. Er lebte dort zwar nur kurz. Aber Lemberg als Idee, das prägte sein Leben und sein Werk. Die Stadt, die heute Lwiw heißt, war lange eine Vielvölkerstadt, ein Laboratorium des Zusammenlebens, eine kleine Weltmetropole am Rande der westlichen Welt. Erst bis 1918 zur k. u. k. Monarchie gehörend, dann zu Polen, der Sowjetunion, heute schließlich zur Ukraine. Hierher kam der große europäische Essayist, Weltbürger, Dichter immer wieder zurück. Er studierte Philosophie in Krakau und begann Ende der Sechzigerjahre, Gedichte zu veröffentlichen. 1975 unterzeichnete er zusammen mit anderen polnischen Intellektuellen den »Brief der 59« gegen das kommunistische Regime, er wirkte mit an der oppositionellen »Fliegenden Universität« und ging 1979 ins Exil, zunächst nach Berlin, immer wieder zu Lehraufenthalten in die Vereinigten Staaten, schließlich nach Paris. Erst im Jahr 2002 kehrte er nach Polen zurück, lebte in Krakau und lehrte in Chicago. Wer einmal ein Buch von Adam Zagajewski gelesen hat, zum Beispiel sein Tagebuch »Die kleine Ewigkeit der Kunst«, der weiß, was gelebte Klugheit ist. Der weiß, was es heißt, mit Büchern und Gedichten zu leben, als wären sie lebendig. Adam Zagajewski starb am 21. März in Krakau.

vw
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