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Prinzen Adel vernichtet

Einer derer von Hohenzollern beschäftigt die Gerichte: War er geistig präsent, als er die schöne Angie heiratete?
aus DER SPIEGEL 12/1994

Der Kaiser Wilhelm Zwo, den keiner wiederhaben wollte, war sich sicher: Die Ehe zwischen einem Prinzen und einer Bürgerlichen sei so unmöglich »wie biologisch die Verbindung zwischen einem Schwan und einer Gans«.

Die Prognose aus höchstem Munde hat sich längst als brüchig erwiesen. Adels- und Bürgervögel können's miteinander. Prinz Louis Ferdinand, langjähriger Chef des preußischen Hohenzollern-Flügels, weiß ein Lied davon zu singen. Mit scharfem Hausgesetz kämpft er gegen Mesalliancen. Blaublüter aus seinem Clan, die es zu den Gänsen zieht, droht der Schwanentod: Sie riskieren ihr Erbe.

Auch Erbprinz Karl Friedrich, 41, Thronfolger der schwäbischen Linie des Hauses, wacht streng darüber, daß nicht Namensräuber oder verarmte Anverwandte das edle Prinzen-Logo inflationieren (SPIEGEL 14/1993). Ihn wird deswegen besonders interessieren, was vergangenen Donnerstag auch die Boulevardpresse alarmierte - eine Verhandlung vor dem Kemptener Familiengericht, die laut Sitzungsaushang so annonciert wurde: »Staatsanwaltschaft Kempten gegen 1. Prinz von Hohenzollern, 2. Prinzessin von Hohenzollern-Emden«.

Klatschspalten-Leser kennen die Geschichte: Die schöne Angie, 53, die vor ihrer Erhebung in den Prinzessinnenstand Angela Stölzle hieß und Gespielin des Titelhändlers Konsul Weyer war, erobert 1990 den verarmten Emanuel Joseph von Hohenzollern (Bild: »Der Müllprinz"), wendet sich dann aber dem Sohn Carl Alexander (Bild: »geiler Depp"), 23, zu und erwirbt durch die Eheschließung in Leutkirch das ersehnte »Krönlein«, wie sich der erwählte Schwan ausdrückt.

Angies Glück mit dem kleinen Prinzen währte nur kurz: Nach zwei Monaten - Adel vergiftet - lief Carl Alexander mit dem türkischen Playmate Hülya davon. Ihm habe, so mußte man seine rüden Worte übersetzen, der Sinn mehr nach rosiger Apfelblüte denn nach reifem Boskop gestanden.

Die Affäre mit der »nackten Kanone« (Bild) hielt nur kurz. Der ungetreue Prinz floh per Mountainbike über die Schwäbische Alb zurück zu Angie und versöhnte sich mit ihr.

Doch so einfach ließ sich das Eheglück nicht runderneuern. Der stürmische Adelsmann hatte sich einen Anwalt genommen, der auf Annullierung klagte. Begründung: Der Hochwohlgeborene sei zum Zeitpunkt der Trauung nicht geschäftsfähig gewesen; Angie müsse ihre Prinzessinnen-Rolle samt Namen wiederaufgeben.

Das Verhängnis nahm seinen Lauf, denn der Anwalt nahm die Versöhnung nicht ernst. Er forderte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf, die Rechtmäßigkeit der Eheschließung zu überprüfen, um den willensschwachen Adeligen vor Geschäften mit seinem Namen zu bewahren.

Dabei waren Carl Alexander und sein Vater schon zuvor aus der Prinzen-Rolle gefallen: Sie hatten zur Aufbesserung ihrer Haushaltskasse einen »Carl-Alexander-Orden« gegründet und Neureiche gegen gutes Geld zu dessen Rittern geschlagen.

Mit einem Gutachten, das Hoheit - Adel vernichtet - Geistesschwäche bescheinigte, überzeugte daraufhin die Staatsanwaltschaft das Amtsgericht Bad Cannstatt. Doch dessen Annullierungsurteil hob das Oberlandesgericht Stuttgart auf und verwies den Fall nach Kempten.

Auch vergangene Woche gab es kein Urteil: Das Kemptener Gericht beraumte einen späteren Entscheidungstermin an. Angie und Carlie, im dunkelblauen Jaguar vorgefahren, verließen in demonstrativer Verliebtheit Justitias Hallen. Sie glauben nun besser zu wissen, wer trennen will, was sie zusammengefügt hat: nicht hoheitliche Sorge um reines Blaublut, sondern schnöde Geldgier. Würde die Ehe annulliert und damit festgestellt werden, daß Prinz Carl Alexander geschäftsunfähig ist, könnte er, wie Angie fürchtet, auch nicht eine sehr eventuelle Erbschaft von sächsischen Latifundien antreten. Der »dicke Batzen« (Angie) fiele an die Erbfeinde.

Doch was immer die Gerichte sagen, Prinz und Prinzessin wollen, notfalls und wenn sie nicht gestorben sind, »nochmal heiraten« und dann »ein Hotel eröffnen und dort glücklich leben« (Angie).

Bis dahin allerdings muß Gattin Angela weiter in Nizza als Kleiderdesignerin für die bessere Gesellschaft schaffen, während er sich - Adel verzichtet - in Dietmannsried-Überbach mit dem Job »Mädchen für alles« im Landgasthof »Rößl« auf seine Karriere vorbereitet. Y

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