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FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Akt mit Mönch

aus DER SPIEGEL 23/1968

Das wilde Auge (Italien) ist die Linse, die ein skrupelloser Bilderjäger (Philippe Leroy) auf Kruditäten richtet -- auf Verdurstende in der Sahara, auf ein Taubstummen-Bordell in Singapur, auf einen verhungernden Malaien beim Verspeisen eines Schmetterlings, auf indische Opium-Süchtige, die sich mit Knüppel-Hieben kurieren lassen.

Wenn der Cine-Zyniker schließlich die Exekution eines Vietcong für die Kamera schöner arrangiert, wird dem Betrachter völlig klar, wes Konterfei der Regisseur Paolo Cavara pinselt: Mit so wildem Auge war nur der »Mondo Cane«-Filmer Gualtiero Jacopetti durch die Welt gezogen.

Auch Jacopetti hatte -- im Horror-Feature »Africa Addio« -- die Hand im Spiel, als ein paar Kongo-Müllers Buschjustiz übten; und mit anderen Jacopettismen ist Cavara ebenso vertraut: Er war lange Zeit ein Kompagnon des Greuel-Filmers.

Das Pamphlet wider den Kollegen, der hier als smarter Erotomane und Sadist umgeht, ist freilich selbst nach »Mondo-Mode gefertigt: Krasses und Brutales, original oder arrangiert, verklebte Cavara zu spekulativem Sensationskino.

Kritik am Jacopetti-Double äußert im Film eine mitreisende Brünette (Delia Boccardo). Das sei doch »die reinste Perversität«, zürnt sie, als sich der Meister neben einem entflammten Buddhisten-Mönch beim Liebesakte filmen lassen will.

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