Aktion des »Zentrums für Politische Schönheit« AfD fiel offenbar auf erfundenen Flyerservice rein

Mehr als eine Million Wahlkampf-Flyer der AfD sind offenbar nicht verteilt worden. Nun gibt das »Zentrum für Politische Schönheit« an, dafür verantwortlich zu sein – und spricht sogar von fünf Millionen.
Nicht verteilte AfD-Flyer: »Die Partei nahm das Angebot dankbar an«

Nicht verteilte AfD-Flyer: »Die Partei nahm das Angebot dankbar an«

Foto: Zentrum für Politische Schönheit / Patryk Witt

Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat sich offenbar in den Wahlkampf der AfD eingemischt. In einer Pressemitteilung schreibt das Künstlerkollektiv, es habe eigens eine Firma gegründet mit dem Namen »Flyerservice Hahn«, einen »windigen Dienstleister«. Nach Angaben des ZPS seien bei der Firma, die allerdings weder einen Eintrag im Handelsregister noch eine Geschäftsanschrift habe, 85 Parteiverbände der AfD Kunden. Die Firma habe demnach angegeben, Flyer für die AfD zu verteilen – habe dies dann aber nicht getan.

»Weltmarktführer im Nichtverteilen von Nazi-Flyern«

»Die Partei nahm das Angebot dankbar an und lieferte über fünf Millionen Flyer, 72 Tonnen Werbematerial, in die Logistikkette des ZPS. Wohlgemerkt ohne Auftragsbestätigung oder rechtsgültigen Vertrag«, schreibt das Kollektiv in der Mitteilung. Den »Flyerservice Hahn« bezeichnet es darin als »Weltmarktführer im Nichtverteilen von Nazi-Flyern«. Das ZPS biete nun »zur Finanzierung des eigenen Rechtsstreits mit der AfD« das Recycling des Materials an, verknüpft mit einer Spendenaktion.

Die AfD hatte zuvor bekannt gegeben, dass mehr als eine Million Wahlkampf-Flyer der Partei nicht verteilt worden waren. Zwei Tage vor der Bundestagswahl teilte die Partei mit, ein Dienstleister habe vor einigen Wochen zu günstigen Konditionen angeboten, das Werbematerial an Haushalte zu verteilen. Dann habe sich jedoch herausgestellt, dass dieser Dienstleister gar nicht existiere, die Partei also getäuscht worden sei.

Aus der Bundesgeschäftsstelle der Partei hieß es, betroffen seien wohl Kreisverbände und Kandidaten der AfD in Niedersachsen, Berlin, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Partei kündigte an, zeitnah eine Strafanzeige stellen zu wollen.

skr/dpa
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