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Alain Tanners neue Kino-Elegie

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aus DER SPIEGEL 41/1985

Wer jazzige Improvisationen mag, ein mit den Klängen einer Sitar gepanschtes Klimperpiano, wird auch Alain Tanners neuen Film »Niemandsland« mögen, den Terry Riley mit solcher Minimal-Musik garniert hat. Lange Himmelssequenzen mit dräuenden Wolkenkulissen passen dazu ganz trefflich. Und wenn das Klavier schweigt, dann reden die Menschen. Dabei ist schwer zu sagen, was enervierender ist. »Überall riecht es nach Unglück.« »Wahre Gewalt ist, jemanden zu verlassen.« »Keiner weiß, wie's weitergehen soll.« So plappern Tanners vier junge Hauptdarsteller ohne Unterlaß fast zwei Kinostunden lang daher, wo es doch auch ein einziger Satz getan hätte: Es gibt keine Hoffnung. Der Schweizer Regisseur ("Jonas«, »Messidor") zeigt sich diesmal wieder ausgesprochen a la mode, denn Neoexistentialismus ist gefragt. Und den illustriert er mit einer Schmugglerstory über eine Handvoll Grenzgänger im französischschweizerischen Niemandsland. Sie transportieren Menschen, Geld und Sprüche. Ihr Code-Wort heißt: »Das graue Huhn ist blind und taub.«

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