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KLASSIK »Alle sind willkommen«

Mariss Jansons, 64, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BR), über seine Forderung, das Münchner Marstallgebäude in einen Konzertsaal umzuwandeln
aus DER SPIEGEL 16/2007

SPIEGEL: Maestro Jansons, in ganz Deutschland werden Kultureinrichtungen geschlossen, Berlin streitet um die Zukunft seiner drei Opernhäuser, und Sie fordern für München nun noch einen dritten Konzertsaal, den Sie allein mit Ihrem Orchester beziehen wollen. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Jansons: Überhaupt nicht! München gehört zu den weltweit führenden Musikmetropolen. Nur haben wir hier keinen guten Konzertsaal. Egal, wie viele Spielstätten es schon gibt, drei, vier oder zehn. Es muss neben den mitunter mangelhaften Häusern wie der Philharmonie und dem Herkulessaal ein wirklich herausragendes geben.

SPIEGEL: Sie beklagen unter anderem die schlechte Akustik in der Philharmonie im Gasteig. Wie hört sich das an?

Jansons: Die Musiker auf der Bühne hören einander nicht, und das Orchester hört die Solisten nicht. Für das Publikum gibt es im Saal akustisch gesehen passable Plätze, aber auch solche, auf denen die Musik schlecht klingt.

SPIEGEL: Die Betreiber der Philharmonie, in der Ihr Kollege Christian Thielemann dirigiert, stöhnen jetzt schon, dass die 2400 Plätze selten ausverkauft sind. Wie wollen Sie da noch einen dritten Konzertsaal auslasten?

Jansons: Indem wir mehr internationale Orchester von Rang in die Stadt holen. Die Stars kommen doch aufgrund der derzeitigen Bedingungen der Künstlergarderoben kaum nach München. Diese Zustände haben sich in der klassischen Musikwelt, die ja nicht groß ist, schnell herumgesprochen. Und wir könnten eine Nische ausbauen, denn der Gasteig ist zu groß und der Herkulessaal für große symphonische Werke zu klein. Man sollte lieber einen ungeeigneten Saal schließen, als einen geeigneten nicht zu bauen.

SPIEGEL: Vielleicht auch ein bisschen Eitelkeit, dass die BR-Symphoniker ein eigenes Haus haben wollen?

Jansons: Alles, was ich will, ist ein Erstbelegungsrecht. Aber ich trete nicht nur für dieses Projekt ein, weil wir dort spielen. Alle sind willkommen! Wer weiß, ob ich 2010, wenn die Bauarbeiten frühestens beginnen könnten, überhaupt noch in München bin.

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