Coronaprotest Macher der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen gehen mit neuem Forum online

Unter #allesaufdentisch jetzt online: Mehr als hundert Künstler und Wissenschaftler – um den »Babylon Berlin«-Star Volker Bruch – wollen angeblich »kaum gehörten« Positionen gegen Coronamaßnahmen Gehör verschaffen.
Collage aus Gesprächsvideo-Screenshots: #allesaufdentisch

Collage aus Gesprächsvideo-Screenshots: #allesaufdentisch

Foto: allesaufdentisch.tv

Unter den Hashtag #allesaufdentisch ist eine neue Initiative im Netz aufgetaucht. Sie stammt aus dem Umfeld der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen und vereint ein buntes Spektrum zwischen Wissenschaft und Kultur – allerdings mit einer Tendenz zur Skepsis über die Maßnahmen zur Bewältigung der Coronapandemie. »KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen diskutieren gemeinsam über die Folgen der Coronakrise und starten eine Petition für einen Runden Tisch« heißt es in der Pressemitteilung der Initiative.

Ziel sei es, »die Pandemie als gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten, und auch denjenigen ExpertInnen Gehör zu verschaffen, die bisher, trotz ihrer oft hohen Reputation, in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden«.

In den über 50 Videos, die die Initiative online auf ihre Website  und auf YouTube  gestellt hat, werden die Wissenschaftler jeweils rund 20 Minuten lang von den Künstlern und Künstlerinnen interviewt. So befragt die Schauspielerin Miriam Stein den Infektiologen Prof. Dr. Matthias Schrappe zum Beispiel zum Thema »Evidenzbasierte Medizin«. Die Idee zu der Kampagne stammt laut eigener Aussage der Initiative von den Schauspielern und Schauspielerinnen Volker Bruch, Jeana Paraschiva, Miriam Stein und Maxim Mehmet. Ziel sei es, eine gemeinsame Petition zu erwirken mit der Forderung nach einem Runden Tisch über das Corona-Krisenmanagement, an dem WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen mit unterschiedlichen Standpunkten zusammenkommen sollten.

Volker Bruch und seine Lebensgefährtin Miriam Stein waren bereits bei der Aktion #allesdichtmachen dabei und standen in deren Folge in der Kritik. Zudem wurde öffentlich, dass Volker Bruch einen Mitgliedsantrag bei einer Querdenkerpartei eingereicht hatte.

Teilnehmerliste diesmal etwas weniger prominent

In der Pressemitteilung der Bewegung heißt es, bei #allesaufdentisch handele es sich »um keine feste Gruppe, sondern um einen losen Zusammenschluss von Menschen, die mit zunehmender Beunruhigung die Entwicklung des politischen Handelns und die gesellschaftliche Spaltung beobachten«. Mit ihrer Aktion wollten sie »einen Impuls für einen offenen Dialog setzen.« Man habe auch renommierte Corona-Experten wie Christian Drosten, Lothar Wieler oder Karl Lauterbach angefragt. Diese seien zu einer Teilnahme an der Aktion nicht bereit gewesen, heißt es in der Presseerklärung.

Verglichen mit #allesdichtmachen liest sich die Teilnehmerliste diesmal etwas weniger prominent. Ins Auge fallen die Namen von Schauspielstars wie Wotan Wilke Möhring oder Nina Proll. Ebenfalls dabei ist Eva Herzig: Sie verlor im Juni eine Rolle im ORF/ARD-»Steirerkrimi«, weil sie sich nicht gegen Corona impfen lassen will. Zu den Fragestellern zählt auch der scheidende Intendant des hessischen Staatstheaters Wiesbaden Uwe-Eric Laufenberg. Im vergangenen Jahr hatte es Streit um das Corona-Hygienekonzept des Hauses gegeben, eine Premiere wurde kurzfristig abgesagt.

Zu den Befragten zählt unter anderem der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen von der LMU München. Meyen forscht unter anderem zur Unabhängigkeit des Journalismus, im Juli geriet er in die Schlagzeilen, weil er in einer Onlinevorlesung unkommentiert auf einen Beitrag des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen verlinkte.

Weitere Mitwirkende ist die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, die im SPIEGEL von Beschimpfungen und Bedrohungen wegen ihrer kritischen Aussagen zu Coronamaßnahmen berichtete . Sie hatte bereits im März 2021 ein »Manifest der offenen Gesellschaft« initiiert, gemeinsam mit dem Historiker René Schlott und dem Philosophen Markus Gabriel , die nun bei #allesaufdentisch ebenfalls zu Wort kommen.

nga
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