Eine Videokampagne sorgt seit Donnerstagabend für Aufregung, dabei ist auch sie:
Heike Makatsch: "Hallo, ich bin Heike Makatsch. Ich bin Schauspielerin. Es hat geklingelt, aber ich mach nicht auf. Vielleicht ist es Amazon, Lieferando, DHL. Egal, ich mach nicht auf. Weil ich Verantwortung übernehme."
Heike Makatsch gehört zu 53 deutschen SchauspielerInnen, die im Internet kurze Videos zu den Corona-Maßnahmen veröffentlicht haben. Die Kritik daran ist groß. Mittlerweile wurde die Seite gelöscht. Wie sind die kurzen Clips einzuordnen?
Wolfgang Höbel: Aus der Sicht eines Filmfans ist mir die Aufregung erstmal gar nicht so verständlich, weil ja eine große Heiterkeit von dieser Kampagne ausgeht. Mich zumindest hat es erinnert an einen Meisterregisseur des deutschen Kinos und dessen Werke, an Til Schweiger. Man sieht in diesen Bildern, die beispielsweise Heike Makatsch, Nadja Uhl oder auch Hanns Zischler in dieser Kampagne produziert haben, sieht man Menschen, die offenbar auf der Sonnenseite des Lebens sitzen, Heike Makatsch und Nadja Uhl sogar auf dem gleichen Sofa.
Nadja Uhl: "Mein Name ist Nadja Uhl, ich bin Schauspielerin und dank Corona hab ich gelernt zu schweigen. All die Jahre auf der Suche nach der großen Wahrheit hinter kleinen Worten – vorbei."
Wolfgang Höbel: Es ist eine heile und freundliche Welt und wir sollten uns vielleicht gar nicht so lange bei dem politischen Inhalt aufhalten, sondern erstmal davon ausgehen, was einer der Macher der Kampagne gesagt hat: Das ist Kunst. Da möchte ich gern fragen, welche Kunst ist es? Es ist also eine Komödienkunst, eine deutsche Komödienkunst, und der deutsche Witz ist problematisch. Ich finde es erstaunlich, was für Bilder beim Versuch sarkastisch zu sein bei dieser Kunstaktion produziert wurden. Es sieht ein bisschen aus wie Gardinenwerbung oder auch wie Waschmittelwerbung. Nadja Uhl hat einen total hübschen schwarzen Pulli und Heike Makatsch einen sehr bunten.
Hanns Zischler: "Mein Name ist Hanns Zischler. Ich bin, aber manchmal auch nicht, Schauspieler. Und ich möchte eines vorausschicken: Ich distanziere mich von allem, was ich im Folgenden sagen werden. Und dies nur vorweg und jetzt zur Sache."
Wolfgang Höbel: Bei Hanns Zischler sieht man sehr ausufernde gestische Armbewegungen, wie sie typisch sind für Schauspieler, die vom Regisseur oder der Regisseurin allein gelassen werden. Und die Krone setzt dem Ganzen vielleicht Jan Josef Liefers auf, der wirklich beim Sprechen die linke Hand in der Hosentasche hat, vielleicht ist es auch die geballte Faust. Das ist im Sitzen kein geringes Kunststück.
Jan Josef Liefers: "Verantwortungslosen menschenverachtenden Ärzten und Wissenschaftlern, die zu anderen Schlüssen kommen als die beratenden Experten unserer Regierung und die sich mit Professuren an weltberühmten Universitäten und Nobelpreisen schmücken, ich möchte sagen tarnen, dürfen wir keine Bühne geben."
Wolfgang Höbel: Til Schweiger ist bekannt geworden als ein Mann der Vernunft während dieser Corona-Pandemie, der immer wieder darauf gedrungen hat, sich an die Maßnahmen zu halten, die von den Politikern und Virologen verordnet werden. Und insofern ist es schon eine gewisse Infamie, dass man diese Kampagne nun aussehen lässt wie einen Til Schweiger-Film, der zum Beispiel "Kleinhirnküken" heißen könnte. Oder in Erinnerung an den größten aller Til Schweiger-Erfolge "Honig im Kopf": "Marmelade im Kopf".