#allesdichtmachen Jan Josef Liefers verteidigt Aktion, Ulrike Folkerts räumt Fehler ein

Etwa 50 Schauspieler waren an der Videoaktion #allesdichtmachen beteiligt. Einige haben sich kurz nach der Veröffentlichung distanziert. Jan Josef Liefers legte noch mal nach und kritisierte »mangelnde Transparenz«.
Jan Josef Liefers: »Mir fehlt im Moment die Transparenz«

Jan Josef Liefers: »Mir fehlt im Moment die Transparenz«

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Gregor Fischer/ dpa

Schauspielerin Ulrike Folkerts hat ihre Beteiligung an der Internetaktion #allesdichtmachen als Fehler bezeichnet. »Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen«, schrieb die »Tatort«-Kommissarin am Freitagabend auf Instagram . »Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert.« Es tue ihr leid, »Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben«.

Die Coronamaßnahmen bezeichnete Folkerts als »absolut richtig«. Sie sei weit davon entfernt, »Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen«, sagte sie. »Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt.« Die Aktion sei »schiefgegangen und unverzeihlich«.

Ulrike Folkerts: »Schiefgegangen und unverzeihlich«

Ulrike Folkerts: »Schiefgegangen und unverzeihlich«

Foto: Uwe Anspach / dpa

Auch Schauspieler Richy Müller distanzierte sich inzwischen von der Aktion. »Ich musste feststellen, dass mein Video vielen Menschen wehgetan hat, die ich niemals kränken oder veralbern wollte«, sagte der 65-Jährige dem Nachrichtensender n-tv . Er sei blauäugig gewesen. Dabei sei er indirekt sogar selbst betroffen: »Die Tochter meiner Frau ist mit Anfang 20 zu Beginn der Pandemie an Corona erkrankt. Und sie hatte ein halbes Jahr lang Probleme mit der Atmung.«

Der Schauspieler Jan Josef Liefers hat das Projekt verteidigt, sich aber nachdenklich über das gewählte Mittel geäußert. »Ich finde auch den Punkt interessant, dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist«, sagte der 56-Jährige am Freitagabend in der Radio-Bremen-Talkshow »3nach9«. Er sehe aber derzeit eine Lücke: »Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.«

»Wenn man dann was sagt, passiert das eben durch so framingartige Situationen, dass man sofort ziemlich radikal in so Ecken gepusht wird, in die man gar nicht reingehört«, sagte der »Tatort«-Rechtsmediziner, der per Video ins Studio zugeschaltet war. Es gebe Menschen, die man gerade verliere, weil es für sie keine Stimme gebe.

Für ihn sei in der Coronakrise nicht ersichtlich, wie Entscheidungen zustande kämen. »Mir fehlt im Moment die Transparenz. Wie kommt eine Bundesregierung nach so vielen im Grunde halben, Viertel-, ganzen, Dreiviertel-Lockdowns auf die Idee, es immer wieder zu machen?«

Laut Liefers zu wenig Regierungskritiker in Medien

In der »Aktuellen Stunde« des WDR  hatte er zuvor wiederholt, dass aus seiner Sicht in den Medien zu wenig Regierungskritiker zu Wort kämen. »Es gibt weltweit umfassende Studien von Leuten, die ihre Hausaufgaben auch gemacht haben und auch studiert haben, die zum Beispiel über einen Lockdown zu ganz anderen Erkenntnissen kommen als wir.«

Liefers hatte in seinem am Donnerstagabend veröffentlichten Video unter anderem gesagt: »Schließlich wissen nur ganz wenige Spezialisten, was wirklich gut für uns ist.« Der Clip endete mit den Worten: »Bleiben Sie gesund. Verzweifeln Sie ruhig, aber zweifeln Sie nicht.«

Mit seinem waren Videos von etwa 50 andere Schauspielern und Schauspielerinnen veröffentlicht worden. Mehrere distanzierten sich im Laufe des Freitags von ihren Beiträgen. Darunter auch die Schauspielerin Meret Becker und ihr Kollege Ken Duken.

Liefers hatte sich nicht von seinem Beitrag distanziert, aber von vielen, die sein Video feierten: »Eine da hineinorakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück«, schrieb der 56-Jährige auf Twitter. »Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.«

cop/dpa
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