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NEU IN DEUTSCHLAND André KostoIany: »Das ist die Börse«.

aus DER SPIEGEL 13/1962

»Stellen Sie sich einen Mann vor«, erläutert der 54jährige, in Ungarn geborene Autor, »der mit seinem Hund eine Straße entlanggeht. Der Mann schreitet gleichmäßig voran; das ist die Industrie. Der Hund stürmt vorwärts, springt hierhin und dorthin, kommt zu seinem Herrn zurück, läuft wieder davon und kommt wieder zurück; sein Weg stellt die Bewegungen der Wertpapiere dar.« Eine dieser Zickzackbewegungen, die damals allerdings nicht nur der Hund, sondern auch der Herr machte, hat dem Börsenhistoriker Kostolany Reichtum eingebracht: Er hatte, im Pariser Maklerbüro eines Freundes, kurz vor der Weltwirtschaftskrise um 1930, gegen die Börse auf Baisse spekuliert. Möglicherweise legte dieser Coup das materielle Fundament, das es dem Spekulanten von Beruf und aus Passion Kostolany heute erlaubt, eine Weltgeschichte der Börse zu skizzieren, bei der unversehens die Weltgeschichte zu einer Börsenfunktion wird. Kostolanys Buch, zuvor in Frankreich erschienen und für Deutschland mit einem Bekenntnis des Frankfurter Wirtschaftsprofessors Albert Hahn zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Spekulation eingeleitet, referiert nicht nur die großen Finanzunternehmungen aus vier Jahrhunderten - die Kreditpolitik der Fugger, die holländische Tulpenhausse um 1635, die Geldschöpfung John Laws, des Finanzberaters der französischen Krone bis 1720, die Eisenbahngründungen in den Vereinigten Staaten und die Fleischkatastrophe von Chicago 1929 -, sondern reicht bis zu einer Darstellung der komplizierten wie glänzenden Geschäfte, die sich nach 1945 mit deutscher Sperrmark und notleidend gewordenen japanischen Staatspapieren machen ließen. (Henry Goverts Verlag, Stuttgart; 272 Seiten; 14,80 Mark.)

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