Angriff auf Museumsinsel Olivenöl im Saal der Nofretete

Anfang Oktober beschädigten Unbekannte 70 Kunstwerke auf der Museumsinsel. Nach Informationen des SPIEGEL wurde der Anschlag offenbar mit Olivenöl begangen. 50 Objekte müssen restauriert werden.
Beschädigter Sarkophag im Neuen Museum in Berlin

Beschädigter Sarkophag im Neuen Museum in Berlin

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HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstock

Als ein oder mehrere Täter am 3. Oktober, also am Tag der Deutschen Einheit, einen Anschlag gegen die Kunst auf der Berliner Museumsinsel verübten, wurden außer Böden, Wänden und Vitrinen auch 70 Objekte mit einer ölhaltigen Flüssigkeit verschmutzt - wahrscheinlich handelte es sich um Olivenöl, sicher um ein "natürliches Pflanzenöl". Einige Artefakte ließen sich bereits reinigen, doch 50 Werke müssen restauriert werden.

Das geht aus einer detaillierten Analyse hervor, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters eingefordert hatte. Die entsprechende Stellungnahme der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) liegt dem SPIEGEL vor.

Drei historische Ausstellungsgebäude waren betroffen, das Neue Museum, das Pergamonmuseum sowie die Alte Nationalgalerie.

Peinlich: Videoaufnahmen mehrerer Kameras im Neuen Museum wurden nicht gespeichert, sie waren, so heißt es im Bericht, "unbemerkt ausgefallen", und zwar schon nach einem "Software-Update des Videoservers im September". Nur die Kamera im Nordkuppelsaal funktionierte, doch brachten die Bilder keine Erkenntnisse.

Folgt man dem Bericht, steht es grundsätzlich schlecht um die Sicherheit der Museen: Die Verfasser weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei der letzten Ausschreibung für den externen Wachdienst der Preis eine entscheidende Rolle gespielt habe. Das solle, so wird betont, in Zukunft anders gehandhabt werden: Bei der nächsten Ausschreibung, die 2021 anstünde, sollten als "Zuschlagskriterien" neben den preislichen auch fachliche Kriterien ausschlaggebend sein.

"Wer am falschen Ende spart, zahlt am Ende drauf"

Simone Barrientos, Kulturpolitikerin der Linken, sagte dem SPIEGEL: "Dass die sicherheitsdienstlichen Tätigkeiten outgesourct werden, ist hochproblematisch." Barrientos erinnert in dem Zusammenhang an den spektakulären Diebstahl auf der Museumsinsel im Jahr 2017. "Ich will niemandem etwas unterstellen, aber: Beim Raub der Goldmünze aus dem Bode-Museum wurde ein über eine Zeitarbeitsfirma angestellter Wachmann verurteilt, der den Tätern entscheidende Hinweise gab. Dass in der Sicherheitsbranche von Subunternehmen meist Niedrigstlöhne gezahlt werden, stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Wer am falschen Ende spart, zahlt am Ende drauf."

Ein SPD-Politiker und Kenner des Papiers sagte, dieses sei "zielführend geschrieben" worden. Es biete Kulturstaatsministerin Grütters Munition. Sie habe bekanntermaßen die Zerschlagung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Sinn, der die Museen unterstünden.

Bemerkenswerterweise hatte aber ausgerechnet die Abteilung von Grütters im August einen Antrag abgelehnt, der von den Staatlichen Museen gestellt worden war. Man hatte im Frühsommer um 1,3 Millionen Euro aus dem neuen Topf für Infrastrukturmaßnahmen gebeten. Sie sollten der Sicherheit dienen. Christina Haak, Vize-Chefin der Staatlichen Museen, sagte dem SPIEGEL, man habe ein ganzes Paket vorgeschlagen.

Grütters sagte dem SPIEGEL, die Anfrage sei "aufgrund des Programmzuschnitts" nicht berücksichtigungsfähig und außerdem könne für Sicherungsmaßnahmen auf andere Mittel zurückgegriffen werden. "Fehlendes Geld ist in diesem Bereich nicht das Problem". Die den Museen übergeordnete Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat laut Grütters 6,4 Millionen Euro an Bauunterhaltsmitteln aus dem Jahr 2019 noch nicht einmal ausgegeben. Für 2020 stünden ihr weitere Millionen Euro zur Verfügung. "Das Geld kann sie sofort für diese Maßnahmen verwenden, dazu braucht man keine Extramittel."  

In der "Stellungnahme zu Vandalismusschäden", die Grütters nun vorliegt und Mittwoch auch im Kulturausschuss debattiert werden soll, wird eine wahrscheinliche Tatzeit am späten Nachmittag des 3. Oktober genannt. Der Wachdienst sei im "12-Stunden-Schichtdienst" vollständig besetzt gewesen. Die Aufsichten in den Museen hätten den Vorgang selbst aber nicht beobachtet oder registriert.

Um 16.40 Uhr seien dann erste Ölspuren entdeckt worden, bis Mitternacht viele weitere Schäden gefunden worden. Auch das Allerheiligste der Museumsinsel wurde nicht verschont, der Saal der Nofretete im Neuen Museum. Dort wurde der Boden beschmutzt.

Wann sich der Generaldirektor der Staatlichen Museen selbst blicken ließ, geht aus dem Bericht nicht hervor. Doch informierte er seinen obersten Dienstherren, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erst am 4. Oktober. Die Behörde von Monika Grütters wurde am 6. Oktober unterrichtet. Erst in der vergangenen Woche erfuhr die Öffentlichkeit von dem Anschlag auf die Kunst – ein Umstand, der im Bericht nicht weiter erläutert wird.

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