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Konflikt um Filmfestival Filmemacherin Anika Decker fordert Ausladung der AfD von Berlinale-Eröffnung

Der Streit über Einladungen für AfD-Politiker zur Berlinale-Eröffnung dauert an. Die Filmemacherin Anika Decker spricht sich für deutliche Signale aus, »dass diese Gäste nicht erwünscht sind«.
Filmemacherin Decker: »Keinerlei Raum« für Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus

Filmemacherin Decker: »Keinerlei Raum« für Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus

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Nadja Wohlleben / laif

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Die deutsche Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker (»Keinohrhasen«, »Liebesdings«) hält es für einen »großen Fehler«, dass mehrere AfD-Politiker eine Einladung zur Eröffnungsveranstaltung der am 15. Februar beginnenden Berlinale erhalten haben.

Das Festival, so die 48-Jährige, stehe für Weltoffenheit und Toleranz. Für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürfe es »keinerlei Raum« geben. »Wir haben hart dafür gekämpft, dass es mehr Diversität gibt, und nun wird dies von der AfD infrage gestellt.«

In einem offenen Brief vom 2. Februar hatten mehr als 200 Filmschaffende gefordert, die Einladungen an die AfD-Politiker rückgängig zu machen. Die Berlinale sprach sich daraufhin klar gegen Rechtsradikalismus aus und verwies darauf, dass sowohl die Kulturbeauftragte des Bundes, Claudia Roth, als auch der Berliner Senat Einladungskontingente für die Eröffnungsfeier erhielten. Diese würden an die gewählten Abgeordneten aus allen Parteien im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus vergeben.

Logo der 74. Internationalen Filmfestspiele

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Foto: Jens Kalaene / dpa

»Haltung zeigen«

Roth verteidigte das Vorgehen der Festspielleitung – mit Verweis auf die demokratische Praxis. »Für die Eröffnung der auch mit erheblichen Bundesmitteln ermöglichten Berlinale wurden auf unseren Vorschlag hin auch die Mitglieder des fachpolitisch zuständigen Kulturausschusses des Deutschen Bundestages eingeladen«, sagte ein Sprecher Roths in einer Stellungnahme. Das entspreche der demokratischen Praxis »und dem Respekt der Bundesregierung vor dem Parlament und seinen gewählten Abgeordneten.«

Decker sagte nun gegenüber dem SPIEGEL, dass AfD-Abgeordnete bei der Berlinale-Eröffnung ihrer Meinung nach nichts zu suchen hätten. Die Vorstellung, dass die Berliner AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker, die an einem Treffen mit Rechtsextremen teilgenommen habe, bei der Eröffnung auf die diesjährige Jurypräsidentin – die kenianische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o – treffe, sei »schwer erträglich«.

Das Festival und die gesamte Filmbranche müssten jetzt »Haltung zeigen«, sagte Decker. Würde etwas Ähnliches bei den Oscars passieren, gäbe es einen »riesigen Aufschrei«.

»Ich wünsche mir noch deutlichere Signale, die zum Ausdruck bringen, dass diese Gäste nicht erwünscht sind.«

Anika Decker

Decker schließt sich der Forderung der Unterzeichnenden des offenen Briefes an, die AfD-Politiker wieder auszuladen. Falls dies nicht möglich sein sollte, müsste man gegenüber den Gästen aus dem Ausland »klar kommunizieren, dass man auch Menschen eingeladen hat, deren politische Überzeugungen man grundsätzlich ablehnt. Dann kann jeder entscheiden, ob er kommt oder nicht. Ich bin auch Demokratin, und mir ist das Prozedere bei den Kartenkontingenten bewusst, dennoch wünsche ich mir noch deutlichere Signale, die zum Ausdruck bringen, dass diese Gäste nicht erwünscht sind.«