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Anna Oppermanns Zettel-Kulissen

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aus DER SPIEGEL 13/1984

Die Pappschachtel in der Ecke könnte ein Bunker sein oder eine Elfenwohnung, vielleicht auch ein »raumumschließendes Symbol der Weiblichkeit«. Ein »Elfenbeinturm« wirkt mal poetisch, mal bedrohlich - solche Mehrdeutigkeiten sind Absicht, wenn die Hamburger Künstlerin Anna Oppermann ihre »Ensembles« aufbaut. Dafür bräuchte sie eigentlich »in ruhiger Lage ein riesiges Haus mit mindestens 50 Räumen«, doch nimmt sie, derzeit, auch mit dem Kunstverein in Hamburg vorlieb. Dort wandelt der Besucher zwischen seltsam eindrucksvollen Kulissen, die zugleich gewaltige Zettel-Kästen sind. Frei assoziierend, rafft Anna Oppermann Einfälle, Zitate, Objekte und Photographien zusammen, notiert Themen-Stichwörter ("König«, »Sau«, »Freiraum«, »Spiel«, »Phantasie«, »Rezipientenreaktion"), zeichnet und arrangiert das Sammel-Surium, sobald sie Platz dafür findet. Ein Photo dokumentiert jede neue Installation und wird, nebst anderen zusätzlichen Dingen, der nächsten einverleibt, wenn die Requisiten, wieder aus Kartons und Plastiktüten hervorgeholt, wiederum auszubreiten sind.

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