Antisemitismusskandal Kulturstaatsministerin Roth widerspricht Documenta-Geschäftsführerin Schormann

Claudia Roth reagiert »sehr erstaunt und befremdet« auf neue Äußerungen aus Kassel. Sie wirft der Documenta-Leiterin vor, inkorrekte Angaben gemacht zu haben.
Claudia Roth mit Sabine Schormann bei der Eröffnung der Documenta in Kassel (18. Juni 2022)

Claudia Roth mit Sabine Schormann bei der Eröffnung der Documenta in Kassel (18. Juni 2022)

Foto: Rüdiger Wölk / IMAGO

Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist im Antisemitismusskandal der Kunstausstellung Documenta auf deutliche Distanz zur Generaldirektorin Sabine Schormann gegangen. Nach einer von Schormann verbreiteten Stellungnahme zu dem Skandal erklärte Roth am Donnerstag in Berlin, sie sei »sehr erstaunt und befremdet« über die Stellungnahme.

Roth warf Schormann vor, dass ihre Aussagen und Darstellungen zu den Abläufen in den vergangenen Monaten nicht zutreffend gewesen seien, und zweifelte Schormanns Aufklärungswillen an.

In ihrer am Dienstagabend verbreiteten Erklärung hatte Schormann unter anderem geschrieben, dass sie als Geschäftsführerin nicht für das Künstlerische zuständig und die Aufarbeitung der bereits im Januar aufgekommenen ersten Antisemitismusvorwürfe mit dem Bund und dem Land Hessen geschehen sei. So sei auf Empfehlung unter anderem von Roth die Kuratorin Emily Dische-Becker als Koordinatorin eines fünfköpfigen Beraterteams eingesetzt worden.

Wille zur Aufklärung »zunehmend fraglich«

Roth erklärte hingegen, die Bundesregierung habe den Vorschlag für den Einsatz eines Gremiums mit den fünf Expertinnen und Experten Manuela Consonni, Raphael Gross, Edna Harel-Fisher und Meron Mendel gemacht. »Dieser Vorschlag wurde von der documenta nicht weiterverfolgt, sondern diese hat eine dann später abgesagte Gesprächsreihe vorbereitet, die weder inhaltlich noch personell« diesem Vorschlag entsprochen habe.

Roth warf Schormann vor, dass eine »lückenlose Aufklärung, wie es zur Aufstellung eines eindeutig antisemitischen Kunstwerkes« bei der Documenta kommen konnte, weiter ausstehe. Auch die nötigen Konsequenzen aus diesem Skandal zu ziehen, stehe noch aus. »Es ist zunehmend fraglich, ob die Documenta-Generaldirektorin das leisten kann oder will.«

Wie es mit der Documenta weitergeht, ist derzeit offen. Die »Hessische Niedersächsische Allgemeine« (HNA) hatte zuletzt berichtet, dass es Freitagabend in Kassel eine Sondersitzung des Aufsichtsrats geben solle. Auslöser des Skandals war ein Großplakat des indonesischen Kollektivs Taring Padi, das erkennbar antisemitisch war. Erst nach empörten Reaktionen wurde das Plakat entfernt.

nga/afp
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