Antisemitismus-Vorwürfe Rapper Wiley vergleicht Juden mit dem Ku-Klux-Klan
Rapper Wiley (2013 bei einem Auftritt in Birmingham)
Foto: Ollie Millington/ Getty ImagesEr beschreibt sich selbst als "Pate" und "König" des Grime, einer Spielart des Rap mit elektronischen Wurzeln, die Anfang der Nullerjahre in London entstand. Wiley hat dieses Genre und die Klubmusik entscheidend geprägt, mit einer Reihe von Top-Ten-Plätzen in den britischen Charts. Zuletzt hat er im Juni das Album "Godfather 3" veröffentlicht und mit Rücktrittsgedanken gespielt: Er wolle ja nicht enden wie Bon Jovi.
In den sozialen Medien folgen dem Rapper und Musikproduzenten aus dem Londoner Osten, geboren 1979 als Richard Cowie, Hunderttausende Menschen - 495.000 sind es auf Twitter, dazu 447.000 Abonnenten auf Instagram.
Am Freitag und Samstag feuerte Wiley auf beiden Netzwerken eine Serie von Posts und Videos ab. Wegen antisemitischer Äußerungen sperrte ihn Twitter daraufhin zeitweise; einige seiner Tweets sind weiterhin nicht verfügbar. Wiley empörte sich unter anderem über vermeintliche "jüdische Privilegien" und behauptete, dass Juden systematisch schwarze Künstler ausbeuteten und damit ein Muster wie im Sklavenhandel fortsetzten.
Sein Management hat sich von Wiley, 41, daraufhin sofort getrennt. Auch die Polizei beschäftigt sich bereits mit dem Fall: "Uns sind Berichte über angeblich antisemitische Kommentare in sozialen Medien bekannt, und wir werden der Sache nachgehen", bestätigte eine Sprecherin der Londoner Polizei am Samstag.
"Den Juden ist es egal, was Schwarze durchmachen mussten, sie benutzen uns nur, um Geld zu verdienen, um ihre Kinder zu ernähren… auch über Generationen hinweg", schrieb Wiley in einem Tweet. Und in einem anderen: "Es gibt zwei Arten von Leuten, die niemand je wirklich herausfordern wollte: Juden und den Ku-Klux-Klan. Aber wenn du 20 Jahre im Business bist, fängst du an, den Grund zu verstehen... Rednecks (übersetzt etwa: Hinterwäldler; die Redaktion) sind der KKK, und jüdische Leute sind das Gesetz." Zudem warf Wiley im Streit auf Twitter anderen Nutzern vor, "Hitler-Tricks" zu benutzen.
"Abscheuliche antisemitische Beleidigung"
Gemeldet hatte Wileys Äußerungen die Organisation Campaign Against Antisemitism, die von ihm eine "sofortige Entschuldigung" forderte; andernfalls solle kein seriöses Label und kein Manager jemals wieder mit ihm arbeiten. Wiley habe zu rassistischem Hass aufgerufen, was zu einer "beachtlichen Haftstrafe" führen könne. "Juden mit dem Ku-Klux-Klan zu vergleichen, ist eine abscheuliche antisemitische Beleidigung, die Wiley zu den antisemitischen Motiven hinzufügen kann, die er über jüdische Macht und Juden in der Wirtschaft getwittert hat", sagte eine Sprecherin der Organisation.
Ebenfalls via Twitter äußerte sich Wileys Manager John Woolf, selbst jüdisch, sehr deutlich: "Wir bei A-List Management haben alle Verbindungen mit ihm gekappt", schrieb er. "Für Antisemitismus gibt es keinen Platz in der Gesellschaft."
Anlass für Wileys Rant in den Netzwerken war offenbar ein schweres Zerwürfnis mit seinem Manager, den er wiederholt wüst beschimpft. In einem Instagram-Video behauptete Wiley, er selbst habe den Kontakt abgebrochen, nicht umgekehrt. Und twitterte am Samstag: "Die Plattenfirma hat mich fallen lassen? Ich bin die Plattenfirma. LOL. Ich würde mich niemals selbst fallen lassen."
Wie die BBC berichtete, distanzierte John Woolf sich weiter von dem Rapper. "Ich unterstütze oder billige nicht, was Wiley heute online in irgendeiner Form gesagt hat. Ich bin ein stolzer jüdischer Mann und bin zutiefst geschockt und traurig", erklärte er. "Ich spreche mit Leitfiguren in meiner Gemeinschaft in Anbetracht der heutigen Tweets. Dieses Verhalten und diese hasserfüllte Rede sind für mich nicht akzeptabel."