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Kunstbeute Apostel als Spätheimkehrer

aus DER SPIEGEL 2/1995

Auf dem Allgäuer Schloß Rauhenzell ging es im Frühjahr 1945 hoch her: Dort einquartierte französische Offiziere feierten rauschende Siegesfeste, zum Beispiel eine »Venezianische Nacht« mit Fackelzug. Unbemerkt blieb zunächst, daß damals Kunstschätze verschwanden, die kriegshalber im selben Gemäuer lagerten. Erst Jahre später fiel es im Darmstädter Landesmuseum auf, daß dessen Bestände aus Rauhenzell nicht komplett zurückgekehrt waren. Jetzt sind ein paar Nachzügler eingetroffen: In Paris waren ein elfenbeinerner Löwe und fünf aus Walroßzahn geschnitzte Apostel aufgetaucht; anscheinend gutgläubige Kunsterben wollten die romanischen Reliefs versteigern lassen. Zwar scheiterten die Darmstädter bei Gericht mit ihrem Antrag, die Auktion zu verhindern, doch die inkriminierten Stücke blieben unverkauft und konnten mit Hilfe von Sponsoren zurückgeholt werden - laut Museumsdirektorin Sybille Ebert-Schifferer »weit unter Handelswert«.

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