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ARD: Schnitt ins »Packeis«

aus DER SPIEGEL 30/1982

Der Freiburger Filmemacher Peter Krieg sieht sich als »Zensur«-Opfer des Südwestfunks. Krieg, Autor hochgelobter TV-Dokumentationen über die Dritte Welt, war von der ARD-Anstalt beauftragt worden, einen Film zur SWF-Reihe »Menschen und Straßen« zu drehen, über die Zürcher Bahnhofstraße. Doch als der Dokumentarist seine satirische Reportage »Das Packeis-Syndrom« über Zürich als eisiges Symbol kapitalistischer Geldherrschaft im Sender vorführte, begann der Ärger. Zwar sei das Werk, so sprachen die Verantwortlichen, »cineastisch gut gemacht«, aber leider nicht wie vertraglich vereinbart 43, sondern 60 Minuten lang - folglich ungeeignet für den vorgesehenen Sendeplatz. Noch unpassender fanden Redaktion und TV-Direktor Dieter Ertel die Schlußsequenz des Films: einen Appell an die TV-Zuschauer, Widerstand zu leisten, ein »warmes, nacktes Chaos anzurichten«. Dieser Satz, so Ertel, könne als »Aufruf zur Gewalt mißverstanden werden«. Krieg wurde angewiesen, den Beitrag auf die gewünschte Fernseh-Länge zurückzustutzen und das »Chaos«-Finale komplett zu tilgen. In dieser Fassung läuft das »Packeis-Syndrom« am Dienstag dieser Woche um 23 Uhr im ersten Kanal; die ungeschnittene Version wird gegenwärtig in deutschen Programm-Kinos gezeigt.

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