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NEU IN DEUTSCHLAND Arno Schmidt: »Rosen & Porree«.

aus DER SPIEGEL 11/1960

Der

trotz vierzehnjährigen Publikationsfleißes einstweilen weder als Versuchsreihen-Prosaist noch als konkurrentenloser Fouqué-Biograph - im Gegensatz zu rascher avancierenden Filmstars - für brockhauswürdig befundene Lexika-Enthusiast und Sprachmodler Schmidt (SPIEGEL 20/1959) liefert hier ein Sammelopus, das Aussicht haben dürfte, sein relativ populärstes Buch zu werden. Der mit zunächst in Zeitschriften gedruckten und seit geraumer Weile vergriffenen Kurzromanen gefüllte Band staffelt zu etwa zwei Fünfteln eingängige Lektüre mit genüßlich-nonkonformistischem Bundesrepublik-Horizont für Arno-Schmidt-Anfänger ("Seelandschaft mit Pocahontas«, »Die Umsiedler") und zu zwei Fünfteln für fortgeschrittene Schmidt -Leser geistig angehobene, geschichtsketzerische Gedanken- und Liebesspiele ("Alexander oder Was ist Wahrheit«, »Kosmas oder Vom Berge des Nordens"). Der restliche Buchbruchteil bietet als Oberstufenpensum einen

Werkstattkommentar ("Berechnungen I"/ »Berechnungen II"), dessen zu Schmidtschem Hausgebrauch entworfene Tabellen Unterhaltung für belletristisch anfällige Mathematiker bieten. Zum ersten Male liefert Schmidt zwischen denselben Buchdeckeln die »kristallinische Struktur« seiner erotisch aufgeladenen Prosa sowohl praktisch als auch theoretisch erläuternd: »Eben dafür, daß unser Gedächtnis, ein mitleidiges Sieb, so Vieles durchfallen läßt, ist meine Prosa der sparsam-reinliche Ausdruck.« Das der Blumen- und Gemüsezucht im eigenen Bargfelder Garten entlehnte Buchtitel - Emblem »Rosen & Porree« als »Kleinbruchstück« unseres »löcherigen Daseins« auszuwerten, hat Schmidt sich versagt. (Stahlberg Verlag,. Karlsruhe; 312 Seiten; 16,80 Mark.)

Schmidt

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