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BUCHMESSE Athleten des Wissens

Jean-Pierre Luminet nimmt den Leser mit auf eine Tour d'Horizon durch die Antike
aus DER SPIEGEL 41/2003

Der Feldherr hat die Stadt erobert und mit seinen Truppen jedes Gebäude besetzt, als er plötzlich unerwartet auf machtvollen Widerstand stößt: Denn die Bibliothek von Alexandria, die der Beduinen-General Amr Ibn al-As im Jahre 642 vernichten soll, erweist sich als eine schwer einnehmbare Bastion des Wissens, in der Sentenzen so lange geschliffen werden, bis sie schärfer sind als jedes Schwert. Mit entwaffnenden Worten versuchen der Bibliothekar Johannes Philoponos und zwei Mitstreiter, den Krieger Amr davon zu überzeugen, die Bücher und Schriftrollen zu verschonen.

Aus diesem raffiniert konstruierten Verteidigungskampf der Kultur gegen rohe Gewalt macht der französische Autor Jean-Pierre Luminet, 52, eine geistreiche und amüsante Tour d'Horizon durch die Wissensgeschichte der Antike. Sein Roman »Alexandria 642« ist aufgebaut wie ein Studium generale, mit Vorlesungen über Mathematik, Astronomie, Philosophie und Politik. »Wissensathleten« wie Euklid, der Vater der Geometrie, oder Aristarch von Samos, der entdeckte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, dürfen bei diesem Schaulaufen des Geistes ihre Vorstellungskraft demonstrieren. Am Ende tritt das Heer der Waffen gegen das Heer des Wissens an, und die Spannung des Romans besteht darin, dass der Leser sehr lange unsicher ist, wer diesen Kampf gewinnen wird. LARS-OLAV BEIER

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