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Atonaler Rausch ums Goldene Kalb

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aus DER SPIEGEL 3/1985

Wenn große Klangkörper auf Reisen gehen, nehmen sie ihrer Plattenkundschaft meist alte Everseller mit. Eine erfreuliche Ausnahme von der öden Regel riskieren jetzt der »Champion unter den US-Orchestern« ("Time") und sein langjähriger Trainer: Zur Europa-Tournee - bundesdeutsche Gastspiele in Hamburg (16. Januar), Bonn (17.), Düsseldorf (18.) und Frankfurt (20.) - verblüffen das Chicago Symphony Orchestra, 93, und Sir Georg Solti, 72, mit der ersten Digital-Produktion von Arnold Schönbergs Opern-Oratorium »Moses und Aron«. In der grandiosen Teldec-Einspielung erblüht das als spröde verschriene Zwölftonwerk, seit langem umhegter Pflegefall des sonst eher konventionellen Dirigenten, in ungewohnter Farbenpracht: Vor allem auf Compact Disc läßt Solti den klangumrauschten Berg Sinai mit allen Tricks moderner Technik so lange kreißen, bis der »Tanz um das Goldene Kalb« fast die Boxen sprengt. Schon jetzt eine Platte des Jahres.

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