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Auktionen: Görings silberner Humpen

aus DER SPIEGEL 44/1974

Er ließ sich gern beschenken, der Reichsmarschall und Reichsjägermeister, vom Tenno wie vom »Gau Essen«. Aus dem Nachlaß Görings hat der Freistaat Bayern, Eigner des Erbes, erstmals und offiziell Stücke zum Verkauf freigegeben. 350 Objekte, schauriges Zeug, für Museen ohne Wert, aus Silber, Zinn und Messing, Humpen, Leuchter und Krimskrams, brachte das Münchner Auktionshaus Weinmüller/ Neumeister am letzten Freitag unter den Hammer. Schätzwert: kaum 120 000 Mark. Ersteigerte Summe: über 640 000 Mark. Spitzenpreise erzielten Stücke, die Görings Wappen (Ritterarm mit Ring in der Hand) oder seinen Namen tragen -- so eine Silberplatte mit Hirschmotiven (20 000 Mark) oder ein silberner Deckelhumpen, den ihm »Zur Vermählung« der »Reichsführer SS« verehrte (15 000 Mark). In Deutschland freilich bleibt kaum ein Stück. Sammler und Händler aus Frankreich, Österreich, England, Italien, aus der Schweiz und den USA schleppten das Gros des traurigen Erbes weg. Erwarteter Effekt der bayrischen Staatsaktion: Das Geschäft mit Nazi-Souvenirs, so ein Händler, sei damit »endlich enttabuisiert«.

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