Erster Aborigine Vincent Namatjira gewinnt Australiens wichtigsten Kunstpreis

Seit 99 Jahren wird in Australien der Archibald Prize für Porträtmalerei vergeben. Nun hat zum ersten Mal ein Aborigine gewonnen - mit einem Werk, das sich mit Rassismus gegen indigene Australier beschäftigt.
Das ausgezeichnete Werk zeigt den Ex-Footballspieler Adam Goodes (l.) und den Künstler selbst

Das ausgezeichnete Werk zeigt den Ex-Footballspieler Adam Goodes (l.) und den Künstler selbst

Foto: Vincent Namatjira / REUTERS

Der 37-Jährige bekam den mit umgerechnet etwa 60.000 Euro dotierten Preis für sein Gemälde mit dem Titel "Stand strong for who you are": Vincent Namatjira hat den Archibald Prize gewonnen. Es ist das erste Mal seit Einführung des Wettbewerbs im Jahr 1921, dass ein indigener Australier die renommierte Auszeichnung für Porträtmalerei erhält. Das Werk zeigt ihn dabei, wie er dem ehemaligen australischen Footballstar Adam Goodes die Hand gibt.

"Dies ist ein ganz besonderer Moment für mich, und ich bin ein bisschen nervös und aufgeregt", sagte Namatjira im Videochat bei der Preisverleihung: "Es hat nur 99 Jahre gedauert!"

Namatjira sagte, er teile mit Goodes, den er als "stolzen Aborigine-Mann" beschrieb, "ähnliche Geschichten und Erfahrungen - über die Abtrennung von Kultur, Sprache und Land und den ständigen Druck, ein Aborigine-Mann in diesem Land zu sein". Der Dokumentarfilm "The Final Quarter" über Goodes' letzte Saison habe Namatjira tief bewegt.

Der "Australier des Jahres" schämte sich, Australier zu sein

Goodes zählt zu den bekanntesten Sportlern Australiens. Mehr als zehn Jahre spielte er sehr erfolgreich in der beliebtesten Sportart des Landes: Australian Rules Football. In den letzten paar Jahren seiner Laufbahn wurde er von gegnerischen Fans aber ausgepfiffen und ausgebuht.

Der Grund für die rassistischen Schmähungen war Goodes' Engagement für indigene Australier. Bei öffentlichen Auftritten sprach der heute 40-Jährige immer wieder die systematische Benachteiligung der Aborigines in Australien an. Als er 2014 vom Premierminister persönlich als "Australier des Jahres" geehrt wurde, sagte Goodes, wegen des Umgangs mit den Ureinwohnern schäme er sich, Australier zu sein.

Bei Auswärtsspielen kam es anschließend zu Affenrufen und ähnlichen Beleidigungen. Im Jahr 2015 ließ Goodes sich von seinem Verein schließlich freistellen, weil er sich nicht länger den rassistischen Beschimpfungen gegnerischer Fans aussetzen wollte.

Es folgte eine Solidaritätsaktion unter dem Hashtag #IStandWithAdam, wenig später revidierte Goodes seine Entscheidung und spielte wieder.

mrk/dpa/rtr
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