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KUNST Ausverkauf des teuren Erbes?

aus DER SPIEGEL 51/2009

Die Idee klingt verlockend: Sollen Museen zu ihrem eigenen Unterhalt beitragen, indem sie Bilder aus dem Depot verkaufen? Da die Hamburger staatlichen Museen, allen voran die Kunsthalle, zwei Jahre nach der Entschuldung durch den Senat wieder in Millionenhöhe im Minus sind, kam dem Hamburger CDU-Politiker Karl-Heinz Ehlers die Eingebung: weg mit den lästigen Staubfängern im Archiv. Kunstsinnige Firmen könnten doch die Werke kaufen und künftig ihre Foyers mit ihnen schmücken. Der Stiftungsrat des Museums forderte die Kunsthalle prompt auf, eine Liste mit verborgenen Schätzen zu erstellen. Manche phantasierten schon davon, sich gar von Meisterwerken wie Caspar David Friedrichs »Wanderer über dem Nebelmeer« zu trennen. Ausgerechnet Jürgen Blankenburg, den Vorsitzenden der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, die der Kunsthalle unter anderem drei ihrer acht Bilder der Serie »S. mit Kind« von Gerhard Richter als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt, beflügelten lockende Profitaussichten zu noch radikaleren Planspielen. Die Gemälde von Richter - dem teuersten zeitgenössischen deutschen Künstler - seien ohnehin überbewertet: »Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich von den Bildern zu trennen.« Der Präsident des Deutschen Museumsbundes Michael Eissenhauer lehnt den Verkauf von Kulturgut zum Stopfen von Haushaltslöchern schroff ab: »Die Bestände der Museen sind kein Rückhaltebecken, aus dem in Zeiten finanzieller Engpässe geschöpft werden kann.« Museen trügen als »Hüter des kulturellen Erbes eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und ihrer Geschichte«, so Eissenhauer, der sich dabei auf die Statuten des Internationalen Museumsrats beruft. Die Forderung nach dem Verkauf von Kunstwerken zeige letztlich nur die »Phantasielosigkeit und Distanz zur Kultur« der Politiker.

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