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Autowäsche

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aus DER SPIEGEL 41/1985

Vater, Mutter, Sohn per pedes, In den Händen Plastikeimer, Durch den Garten zum Mercedes, Schreiten sie, zu ihrem Daimler.

Rücken ihm vereint zu Bleche Mit dem neuen Doppelspüler, 30 Grad, die sanfte Wäsche Für den taubenblauen Kühler.

Bringen ihn auf Hochglanz wieder Ihren Stern auf allen Straßen, Bis er duftet wie der Flieder Links und rechts vom Kunststoffrasen.

Kölnisch Wasser für die Scheiben, Reifenspray und Motordeo. Nicht ein Stäubchen darf verbleiben, Sagt der Vater zu Sohn Theo.

Mutter, die den Lappen wringt, Sagt zum Vater: Jetzt erschall es! Dieser strafft sich, und er singt: Deutschland, Deutschland über alles.

Das Gedicht »Autowäsche« ist, neben 52 anderen Werken, für 12 Mark in dem Lyrikband »Weihnacht ist und Wotan reitet« zu haben, den der West-Berliner Schriftsteller Kurt Bartsch (ehedem DDR) im Rotbuch Verlag veröffentlicht hat.

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