Unesco Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind jetzt Welterbe

Die Unesco hat elf Orte als »Große Bäder Europas« zum Welterbe ernannt. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt wurde gekürt.
Bad Ems (Foto) wurde neben Baden-Baden und Bad Kissingen als Welterbe ausgezeichnet

Bad Ems (Foto) wurde neben Baden-Baden und Bad Kissingen als Welterbe ausgezeichnet

Foto: Thomas Frey / dpa

Deutschland kann sich mit neuen Welterbestätten schmücken: Die Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) zeichnete Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen am Samstag zusammen mit acht anderen europäischen Kurorten als »Große Bäder Europas« als Welterbe aus. Das zuständige Komitee der Unesco traf die Entscheidung auf seiner 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou. Mit dem begehrten Titel werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet.

Die »Großen Bäder Europas« sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Natürliche Thermalwasser sind Grundlage einer epochenübergreifenden Tradition der europäischen Badekultur. Zu den elf Kurstädten, die den Titel Welterbe erhielten, zählen auch Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad in der Tschechischen Republik.

Phänomen der europäischen Kurstadt

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, hat die Auszeichnung der Kurorte begrüßt. »Mit ihrer Kurtradition und ihren städtebaulichen Besonderheiten bringen sie auf einzigartige Weise das Phänomen der europäischen Kurstadt zum Ausdruck«, sagte Böhmer am Samstag.

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Das Jugendstilensemble Mathildenhöhe in Darmstadt wird umfangreich saniert (Foto vom 22.06.21)

Das Jugendstilensemble Mathildenhöhe in Darmstadt wird umfangreich saniert (Foto vom 22.06.21)

Foto: Andreas Arnold / dpa

Außerdem wurde die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt aus der Wende zum 20. Jahrhundert zum Welterbe gekürt. Sie besteht aus dem Hochzeitsturm, einer russischen Kapelle, Gebäuden, Parkanlage und Skulpturen. Die Künstlerkolonie gilt als Schnittpunkt zur Moderne der Architektur – nicht einfach ein Jugendstil-Ensemble, sondern ein Schritt zum Bauhaus. Peter Behrens als einer der ersten Künstler war später Lehrer des Bauhaus-Begründers Walter Gropius.

Die Intention zum Bau der Kolonie war im ausgehenden 19. Jahrhundert keineswegs nur kultureller, sondern handfester ökonomischer Natur. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig sah mangels Bodenschätzen einen Wirtschaftsaufschwung nur durch mehr Qualität in den Manufakturen gewährleistet und holte Künstler aller Couleur nach Darmstadt.

wbr/dpa

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