Eigentlich sollte Rolf Schübels »Nachruf auf eine Bestie« jetzt in unseren Kinos laufen. Diese »hervorragende Dokumentation« (Münchner »Abendzeitung") über den vierfachen Kindermörder Jürgen Bartsch, der 1976 während seiner Kastration auf dem Operationstisch starb, hatte im vergangenen Frühjahr bei der Berlinale Publikum und Kritik ("Bester Dokumentarfilm des Jahres") beeindruckt, ja erschüttert. Der Futura-Filmverleih wollte den Film starten, allerdings nur, wenn eine Vertriebsförderung aus öffentlichen Geldern bereitgestellt würde. Ein durchaus übliches Verfahren: Das Verleihgeschäft von Wolf Gremms »Straßenfeger«-Klamotte mit Harald Juhnke wurde beispielsweise mit rund 100 000 Mark gefördert. Der Schübel-Film hätte schon mit der Hälfte anlaufen können. Aber sowohl die Filmförderungsanstalt als auch das zuständige Filmbüro Nordrhein-Westfalen lehnten eine Vertriebsförderung ab. Und das, obwohl beide Gremien bereits, zusammen mit dem Bundesinnenministerium, 325 000 Mark für die Herstellung des Films ausgegeben hatten. Weitere 300 000 Mark investierte die Produktionsfirma, die Essener Oase-Film. Es scheint, daß allein das ZDF, mit einer Viertelmillion Mark beteiligt, auf seine Kosten kommt. Wenn die Kino-Verwertung ausfällt, hat der Sender den aufwendigen Film exklusiv. Geplante Ausstrahlung: Herbst 1985. Wenigstens in Buchform wird Schübels Material (über 60 Stunden Interviews und Protokolle, daneben auch Beiträge von Uwe Nettelbeck, Tilmann Moser und Gerhard Mauz) auszugsweise jetzt schon veröffentlicht: »Nachruf auf eine 'Bestie'«; Torso-Verlag; 240 Seiten; 16,80 Mark.
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