Zur Ausgabe
Artikel 45 / 68

Bayreuth: Bekenntnisse der Wagner-Damen

aus DER SPIEGEL 30/1975

Nach langem, langem Schweigen haben nun zwei Wagner-Heroinen ausführlich das Wort. In München vereinbarte die Stadt Bayreuth mit dem Piper-Verlag die Veröffentlichung der Tagebücher von Cosima Wagner, und in Paris ließ der deutsche Filmer Hans-Jürgen Syberberg erstmals sein neuestes Werk sehen: fünf Stunden Selbstdarstellung der 18jährigen Wagner-Schwiegertochter Winifred. Die Tagebücher, in denen Indiskretionen über das erst spät durch Eheschluß legalisierte Verhältnis Cosima und Richard Wagners vermutet werden, hatten laut Verfügung der Wagner-Tochter Eva nach deren Tod (1942) noch für 30 Jahre Schonfrist im Safe ruhen müssen und waren anschließend vom Testamentsvollstrecker als Faustpfand für eine Honorarforderung zurückgehalten worden. Frau Winifred, der Herrin in Haus Wahnfried zu Nazizeiten, hatte sich nach dem Krieg kaum noch öffentlich geäußert. Syberbergs (unter Beihilfe des Wagner-Urenkels Gottfried entstandener) Film zeigt auch, warum. Ungebrochen schwärmt die alte Dame von ihrer vermeintlich unpolitischen »rein menschlichen, persönlichen und vertraulichen Bindung« zum Führer Adolf Hitler -- wenn der »heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich als wie immer«.

Zur Ausgabe
Artikel 45 / 68
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.