Buhrufe für »Siegfried« bei Bayreuther Festspielen Wo ist der Drache, wenn man ihn braucht?

Dritter Teil des »Ring des Nibelungen« auf dem Grünen Hügel von Bayreuth – und der »Siegfried« kam beim Publikum nicht an. Ist die Inszenierung von Regisseur Valentin Schwarz zu unkonventionell?
Probe zum »Siegfried«

Probe zum »Siegfried«

Foto: Enrico Nawrath / dpa

Mit »Rheingold« und »Walküre« holperte es zum Start des neuen »Rings des Nibelungen«, nun beginnt das Konzept von Regisseur Valentin Schwarz langsam aufzugehen. Fragen, die sich in den ersten beiden Teilen noch stellten, werden im »Siegfried« nach und nach beantwortet, und Licht fällt in das komplizierte Beziehungsgeflecht, das der junge Österreicher in der Familiensaga auf die Bühne bringt.

So ist Drache Fafner (Wilhelm Schwinghammer), den Siegfried (stimmgewaltig und laut: Andreas Schager) im zweiten Akt erlegen muss, bei Schwarz kein Feuer spuckendes Fabelwesen, sondern das bettlägerige, greise und seine Pflegerin begrapschende Oberhaupt einer mafiösen Familie. Und dieses stirbt auch nicht durch die Hand Siegfrieds – sondern ganz profan an einem Herzinfarkt.

Der junge Mann, der schweigend am Krankenbett sitzt, stellt sich schließlich als das Kind heraus, das Fafner im »Rheingold« noch – im Austausch gegen Göttertochter Freya – entführte: den späteren Siegfried-Mörder Hagen, der bei Schwarz schon vor der »Götterdämmerung« auf der »Ring«-Bühne auftaucht.

Im Publikum gefällt das vielen nicht – ganz im Gegensatz zur musikalischen Darbietung an diesem Abend. Neben Schager, der frenetisch gefeiert wird, gibt es auch viel Jubel für Daniela Köhler und ihre warme, facettenreiche, wenn auch nicht ganz so kraftvolle Brünnhilde und Dirigent Cornelius Meister. Auch Wotan-»Wanderer« Tomasz Konieczny, der sich bei der »Walküre« noch so verletzt hatte, dass er im dritten Akt ersetzt werden musste, kam gut an beim Publikum. Selbst der als Mime auffallend schwache Arnold Bezuyen wurde begeistert beklatscht.

Nach dem »Siegfried« fehlt nur noch die »Götterdämmerung«, um den neuen »Ring« komplett zu machen. Die Premiere ist für diesen Freitag geplant. Dann wird sich auch das Regieteam um Schwarz erstmals auf der Bühne zeigen. Für Donnerstag ist die Wiederaufnahme der »Lohengrin«-Inszenierung mit einem Bühnenbild von Neo Rauch geplant, die in diesem Jahr letztmals auf dem Grünen Hügel zu sehen sein wird.

jul/dpa
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