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Bücher Bayrische Monstren

Herbert Rosendorfer: »Deutsche Suite. Diogenes; 296 Seiten; 24,80 Mark.
aus DER SPIEGEL 42/1972

Herbert Rosendorfer, 38, der Musikkenner und Volljurist mit der außerordentlichen Erfindungskraft und dem Talent zu höherer Albernheit, hat seinen zweiten Roman geschrieben. Die »Deutsche Suite« zeugt wie vorher »Der Ruinenbaumeister« vom schönen Spieltrieb des Verfassers, aber nun ist auch die Anstrengung zu spüren, die es Rosendorfer kostet, aus seinen kuriosen Einfällen, aus den grotesken Phantasien einen Roman herauszupressen.

Zwei bayrische Monstren, Vettern. geleiten den Leser durch eine politische Satire. Hermanfried Schneemoser, der uneheliche Sohn einer Prinzessin aus dem Hause Hessen-Darmstadt und eines Menschenaffen aus dem Tierpark Hellabrunn, ist ein Wunder an Verstand und Arbeitskraft. Nur eine abnorme Behaarung erinnert an den Vater. Von Angehörigen der extremen Rechten lieblos abgehängt, stößt Schneemoser zur SPD und wird in München mit nicht einmal dreißig Jahren Oberbürgermeister. Sein Vetter Otto, geistig Durchschnitt, doch nach Körperlänge und Gewicht ein Ungetüm. ist König von Bayern -- bei Rosendorfer haben die Wittelsbacher ihren Thron weder nach 1918 noch nach 1933 oder 1945 eingebüßt. Den hilfsbereiten Göring haben sie, glänzender Gedanke. mit der Herzogwürde honoriert.

Ur- und Neonazis, Monarchisten. Hochadel, Klerus und auch die Studenten von ganz links -- Rosendorfer geht sie alle an, mit feinem Witz und grobem Ulk, sehr oft mit Schwung und Sicherheit, doch auch nicht selten mit Verzweiflung, wie im Krampf. Aber der Krampf läßt nach, und der schon sichtlich abgekämpfte Komiker zwingt sein Publikum noch einmal zum Gelächter.

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