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Beckett inszeniert »Godot«

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aus DER SPIEGEL 13/1984

Das erste und bislang einzige Mal, daß Samuel Beckett, 77, sein berühmtestes Werk, »Warten auf Godot«, inszenierte, war vor neun Jahren in Berlin. Nun hat der in Paris lebende Schriftsteller ein zweites Mal eingewilligt: In London studierte er das Stück für das derzeitige Theater-Festival im australischen Adelaide ein. Ausgerüstet mit »Le Monde« und einer Tasse Kaffee, erschien er jeden Morgen noch vor den Schauspielern zur Probenarbeit. Deren Ergebnis aber irritierte die zuschauenden Bewunderer des Meisters: Als Alterswerk lieferte Beckett einen um vieles humaneren, zugänglicheren »Godot« als in Berlin. - Den Dramatiker noch einmal aus seiner Isolierung zu locken, war dem Leiter der Schauspieler-Truppe, Rick Cluchey, gelungen. Einst Insasse im Zuchthaus von San Quentin, hatte Cluchey vor 27 Jahren eine »Godot«-Produktion gesehen. Noch im Gefängnis gründete er daraufhin den »San Quentin Drama Workshop«, der heute in Chicago zu Hause ist und sich - neben einigen von Cluchey selber geschriebenen Stücken - auf die Aufführung eines einzigen Autors spezialisiert hat: Samuel Beckett.

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