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DORNIER Beine auf der Erde

aus DER SPIEGEL 20/1966

Zwischen rassigen Rennern stand das

Flugzeug wie ein Bierpferd. Sein kastenförmiger Rumpf, starres Fahrwerk ohne Bugrad und stoffbespanntes Seitenruder erinnerten an die Frühzeit der Fliegerei.

Der zweimotorige »Skyservant« (Himmelsdiener) der Dornier-Werke GmbH, Friedrichshafen - München, war gerade rechtzeitig für die Deutsche Luftfahrtschau in Hannover, die am vergangenen Sonntag endete, vorführbereit geworden. Unter den deutschen Schaumustern hatte er die sichersten Erfolgschancen.

Firmen-Junior Claudius Dornier, 51, nennt die Maschine »einen Laster, ein Arbeitspferd«. Sie soll eine Marktlücke füllen. Das einzige ähnliche Flugzeug ist die »Twin Otter« der kanadischen De-Havilland-Werke, und sie kostet doppelt soviel: 1,2 Millionen gegen 600 000 Mark beim Skyservant.

Das Arbeitspferd schleppt rund 1,4 Tonnen Last, die auch außen angehängt werden kann, oder befördert 15 Personen. Im Sanitätsdienst nimmt es fünf. Tragbahren und zusätzlich sechs Leichtverletzte auf, für photographische Landvermessung eine Dunkelkammer. In Hannover interessierte sich eine ausländische Fernsehgesellschaft für den Vogel als fliegende Aufnahmeplattform.

Die Maschine hat extrem kurze Start- und Landestrecken, mit voller Last braucht sie nur 252 beziehungsweise 233 Meter. Dabei überfliegt sie noch ein 15 Meter hohes Hindernis am Beginn oder Ende der Piste. Ihre niedrigste Fluggeschwindigkeit beträgt 75, die Reisegeschwindigkeit 300 Stundenkilometer. Für den robusten Dornier -Diener wird etwa in Entwicklungsländern jede Busch-Lichtung zum Flugplatz.

Auch Wartung und Reparaturen sind problemlos. Der Kastenrumpf besteht aus Einheitsspanten, über die Einheitsbleche genietet sind. Der Flügel sitzt nur mit vier Bolzen auf dem Rumpf fest, beide Motoren samt Fahrwerk können als Einheit vom Rumpf abgeschraubt werden. Die Tankstutzen sind vom Boden aus erreichbar, so daß der Pilot seine Maschine wie ein Auto ohne Hilfe auftanken kann.

Das kuriose Flugzeug ist charakteristisch für Dornier. Die Firma, deren Chef Professor Claudius Dornier, 81, ist erwarb sich mit Ganzmetall-Passagierflugbooten (Do X, Dornier Wal) Pionierverdienste im Luftverkehr der zwanziger und dreißiger Jahre. Nach dem Krieg, in den Großdeutschlands Luftwaffe mit Dornier-Bombern zog, verfolgte das Unternehmen im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Flugzeugbauern konsequent eine bescheidene Linie: es konstruierte vornehmlich einfache, vielseitig verwendbare Kurzstart-Flugzeuge

Dornier Junior formuliert die Firmenphilosophie: »Wir müssen doch mit den Beinen auf der Erde bleiben. Bei den teuren Maschinen können wir nie mit den Amerikanern konkurrieren.«

Mit den Beinen auf der Erde kam Dornier als einziges deutsches Flugzeugunternehmen in der Nachkriegszeit zu nennenswerten Verkaufserfolgen. Von seiner einmotorigen Do 27 setzte er 650 Stück ab, von der zweimotorigen Do 28 bisher 150.

Der Skyservant wurde nach Kundenwünschen für nur vier Millionen Mark aus der Do 28 entwickelt. Unter alten Kunden finden sich auch zahlreiche Interessenten für die neue Maschine Einige haben bereits fest bestellt.

Der Skyservant bringt wegen seiner geringen Entwicklungskosten schon etwa bei der 60. verkauften Maschine Profit. Die Münchner haben als Absatz-Ziel vorerst insgesamt 500 Maschinen anvisiert.

Sie wollen ihr Zugpferd nach der VW -Methode ständig verbessern. So soll es schon im nächsten Jahr mit Propeller -Turbinen vorgestellt werden; Aufpreis: etwa 150 000 Mark. Dornier Junior: »Die Maschine werden wir zehn Jahre lang bauen.«

Firmen-Chef Dornier, Sohn Claudius

Nach Wünschen der Kundschaft.

... entstand ein Arbeitspferd: Mehrzweck-Flugzeug Dornier Skyservant

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