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Bengalisches Nordlicht

aus DER SPIEGEL 44/1987

In der Münchner Villa Stuck wird aus dem Zauberberg-Schöpfer Thomas Mann vermittels Spiegelungen, Video- und Tonbandeffekten ein für Germanisten provozierendes Vexierbild. Die Ausstellung nennt sich »Heller Zauber« und wurde vom Münchner Kulturreferenten Jürgen Kolbe und dem Wiener Bühnenbildner Hans Hoffer inszeniert. Mit sehr privaten Belegen (auch homoerotischen Episoden), Tristan-Musik, Mann-Zitaten als Wand- und Treppendekor, Totenmaske und konservierter Dichterstimme wird eingestimmt auf den 440 Seiten starken Ausstellungskatalog - das wahre Ereignis. Besser als aller Videozauber illustriert er, was sich mit Mann und München, der »eigentlich dummen Stadt«, in den gemeinsamen vier Jahrzehnten bis 1933 zutrug: erst eine Liebesgeschichte, später das Entsetzen über politische Dicktrunkenheit« und »blutigste Absurditäten«, am Ende bloßer Ekel.

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