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FOTOGRAFIE Berlin so still

aus DER SPIEGEL 36/2007

Menschenleer scheint die Metropole zu sein. Einsame Gaslaternen spiegeln sich auf dem Kopfsteinpflaster, geheimnisvoll verbergen dunkle Einfahrten, was auf den Hinterhöfen der Mietskasernen droht. Ein abgestellter Wohnwagen leuchtet vor einer Friedhofsmauer, verlassene Autos warten unter Brücken, Güterwaggons auf einem Abstellgleis. Nur ein paar Schilder geben stumme Anweisungen an die nicht vorhandenen Passanten. »Einfahrt frei halten!« kommandieren sie oder »Leben lernen!« Der Berliner Fotograf Dieter Grube, 48, zeigt auf seinen Bildern die dunkle Seite der Hauptstadt. Grube hat die unwirklichen Stadtlandschaften in den Stunden nach Mitternacht zwischen 2001 und 2006 auf schlichtem Diafilm festgehalten. Für die kontrastreichen Bilder benötigt er keinen Computerschnickschnack. In dem ungewöhnlich stillen, geradezu meditativen Bildband »Berlin im Licht der Nacht« (Parthas Verlag, 112 Seiten, 24 Euro) finden sich auch Texte von Berlin-Besuchern. Literaten wie Carl Zuckmayer oder Paul Boldt schildern ihre nächtlichen Touren durchs Berlin der dreißiger und fünfziger Jahre. Nur an einer Stelle des Buchs leuchtet in der Nacht ein fröhlicher Mensch dem Betrachter entgegen, als gäbe es außer ihm keine Berliner mehr: Harald Juhnke auf der Werbetafel eines China-Restaurants nahe dem Bahnhof Zoo. Der Senat sollte es unter Denkmalschutz stellen.

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