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LITERATUR Berliner Krimi-Träume

aus DER SPIEGEL 12/2001

Auch Theaterkritiker haben Träume. Michael Merschmeier, 47, seit 1981 hauptsächlich für das Fachorgan »theater heute« im steten Parkett-Einsatz, hat sich einen erfüllt: »Frölichs Träume« heißt sein Krimi, in dem Kommissar Sebastian Frölich, Ermittler bei der Berliner Mordkommission, einem bizarren Verbrechen hinterherrecherchiert. In einer leeren Wohnung ist eine Maklerin erdrosselt worden. Als dann eine Starjournalistin während ihrer Talkshow durch einen gezielten Kopfschuss stirbt, sieht der Kommissar zuerst nur einen Zusammenhang: Die Journalistin wohnte in demselben Haus, in dem die Maklerin ihr unschönes Ende fand. Frölich ermittelt gelassen, aber zielstrebig und kommt einem gigantischen Komplott auf die Spur, in dem ein italienischer und ein britischer Medienzar um die Vorherrschaft auf dem deutschen TV-Markt ringen. Als dann der Vatikan ins Spiel kommt, erleidet die Glaubwürdigkeit von Merschmeiers Plot einen raschen Tod. Tatwaffe: overkill. Ansonsten erfreuen der unkonventionelle Kommissar und gekonnte Berliner Milieuschilderungen das Leser-Gemüt. Wer Anspielungen auf eventuell lebende Vorbilder des fiktiven Krimi-Personals schätzt, wird allemal seinen Spaß haben.

Michael Merschmeier: »Frölichs Träume«. Eichborn Verlag,Frankfurt am Main; 308 Seiten; 38 Mark.

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