Angriff auf Berliner Museen Sarkophage, Skulpturen und Gemälde mit öliger Flüssigkeit beschädigt

Die Öffentlichkeit wurde zwei Wochen lang nicht informiert: Am Tag der Deutschen Einheit beschädigten Unbekannte mindestens 70 Ausstellungsstücke in Berliner Museen. Die Polizei ermittelt.
Das Neue Museum in Berlin (Archivbild)

Das Neue Museum in Berlin (Archivbild)

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Mehr als zwei Wochen wurde die Öffentlichkeit nicht informiert: Dutzende Ausstellungsobjekte sind einem Bericht der "Zeit"  und des Deutschlandfunks  zufolge auf der Berliner Museumsinsel von Unbekannten beschädigt worden. Laut "Zeit" handelt es sich um einen "der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands".

Ein oder mehrere unbekannte Täter hätten mindestens 70 Objekte im Pergamonmuseum, dem Neuen Museum, der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt, hieß es in dem Bericht. Darunter seien ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Gemälde des 19. Jahrhunderts. Die Flüssigkeit soll sichtbare Flecken hinterlassen haben. Die Vorfälle sollen sich bereits am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zugetragen haben und bislang nicht öffentlich gemacht worden sein.

Auf Anfrage von "Zeit" und Deutschlandfunk hätten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Polizei bestätigt, dass es Beschädigungen an Ausstellungsobjekten gebe, hieß es in dem Bericht. Ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung sei eingeleitet worden. Zu den Motiven des Täters oder der Täter war zunächst nichts bekannt.

Dem "Tagesspiegel"  zufolge wurden Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets gebucht hatten, vom Landeskriminalamt (LKA) angeschrieben und dringend um Mithilfe gebeten.

Attila Hildmann sprach vom "Thron des Satans"

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gab die Polizei am Dienstagabend keine Auskünfte. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz war am Abend für ein Statement nicht erreichbar.

"Zeit" und Deutschlandfunk berichteten, der Verschwörungsideologe Attila Hildmann habe im August und September auf seinem öffentlichen Telegram-Kanal verbreitet, dass sich im Pergamonmuseum der "Thron des Satans" befinde und es das Zentrum der "globalen Satanisten-Szene und Corona-Verbrecher" sei. Ob diese Äußerungen etwas mit den Beschädigungen an den Ausstellungsobjekten zu tun haben, ist nicht bekannt.

Die Berliner Museumsinsel gehört seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Anfang Oktober feierte das Pergamonmuseum seinen 90. Geburtstag. Benannt ist es nach seiner bekanntesten Attraktion, dem Pergamonaltar. Er stammt aus dem 2. Jahrhundert vor Christus und gehörte zur Residenz der mächtigen Könige von Pergamon, die im Westen der heutigen Türkei eine Kulturmetropole nach dem Vorbild Athens schufen.

Als eines der wenigen Museen in Deutschland lockt das Pergamon jährlich mehr als eine Million Menschen an - wenn es komplett geöffnet ist. Die zwischen zwei Spreearmen gelegene Gruppe aus Altem Museum, Bode-Museum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum mit der berühmten ägyptischen Pharaonenbüste der Nofretete und der James-Simon-Galerie als jüngstem Bau zog zusammen knapp 3,1 Millionen Menschen an.

ptz/dpa