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THEATER Bochumer Sündenbabel

aus DER SPIEGEL 52/2002

Haben wir eigentlich allesamt unseren Verstand und unser Herz verloren? Der Amerikaner Neil La Bute, 41, stellt in all seinen Theaterstücken und Texten dieselbe Frage und macht mit diesem scheinbar naiven Moralismus international Furore - wobei es sicher hilfreich ist, dass der unter Mormonen aufgewachsene Autor das Dialoghandwerk perfekt beherrscht. Bei uns wurde La Bute mit den Stücken »Bash« und »Das Maß der Dinge« bekannt, im Kino läuft gerade sein Werk »Besessen« mit Gwyneth Paltrow. Nun präsentiert das Bochumer Schauspielhaus drei Einakter La Butes, von denen zwei bislang noch nie auf einer Bühne zu sehen waren: In »Einordnen« berichtet eine Frau ihrem Gefährten ganz lässig von einem Sex-Abenteuer mit gleich mehreren Männern; in »Ausflug« entführt ein pädophiler Lehrer eine Schülerin in eine einsame Hütte; in »Land der Toten« gedenkt eine Frau ihres im World Trade Center verschollenen Partners - und des Kindes, das sie am Morgen des Terroranschlags abgetrieben hatte. Dreimal harter Stoff also, drei »Sündenfälle zeitgenössischer Menschen«, wie der Uraufführungsregisseur, Bochums Intendant Matthias Hartmann, sagt. Und drei rigorose Plädoyers für eine Besinnung auf Herz und Verstand. Theater müsse aufrütteln, verkündete der Autor gerade dem »Tagesspiegel«, sonst könne »man gleich zu Hause bleiben und fernsehen«.

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