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Comics Böse erotische Welt

aus DER SPIEGEL 42/1993

In der Balkankrise zwischen Syldavien und Bordurien rettete er König Ottokars Szepter, den Schneemenschen hat er besucht, ja selbst vom Mond kamen er und sein Kompagnon Kapitän Haddock (Lieblingsfluch: »Hunderttausend Höllenhunde!") heil zurück: Schon seit 65 Jahren begeistert Comic-Blondschopf Tim, stets begleitet vom treuen Foxterrier Struppi, mit garantiert jugendfreien Abenteuern seine Fans. Nun aber treffen den munteren Helden, der im Original seines belgischen Autors Herge (1907 bis 1983) den Namen Tintin führt, ungeahnte Schicksale: Sex zum Beispiel. »Tintin in the New World«, eine postmodern verfremdete Erzählphantasie des New Yorker Herge-Freundes Frederic Tuten, macht die Cartoon-Gestalt zum Romanhelden. Tuten führt den mutigen Reporter in die böse Welt erotischer Selbsterkenntnis. Tim träumt sogar ausgiebig vom Leben als Papa, so weit treibt ihn seine Sehnsucht nach der morbiden Schönheit Clavdia Chauchat, die Mr. Tuten aus Thomas Manns »Zauberberg« entführt hat. Struppi, skeptisch: »Menschen sind doch seltsam. Mich macht ein saftiger Markknochen tagelang glücklich und zufrieden.«

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