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Bohm-Film über Nicaragua

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aus DER SPIEGEL 24/1985

»Die Männer sind Sabbelheinis«, beschimpft auf dem Markt von Managua eine Mutter einen Markthändler, der sich die US-Invasion herbeiwünscht. Das Polit-Gezeter ist eine Kernszene aus einem »Tagebuchfilm«, den Regisseur Hark Bohm im vorigen Herbst in Nicaragua gedreht hat. »Wie ein freier Vogel« zeigt überdeutlich, daß auch fünf Jahre nach der Revolution in Nicaragua immer noch jeder ungehindert seine Meinung äußern und somit wohl auch lügen darf. Beispiel: Die Alphabetisierung, sagt ein Intellektueller aus Managua, sei nichts als ein Propaganda-Bluff. Schnitt. Eine 12jährige Schülerin erzählt, wie sie einer 30jährigen das Lesen und Schreiben beibringt. Hark Bohm läßt jeden ausreden. Auch sich selber. So entkräftet sein Film, derzeit in den Programmkinos, nicht nur die Medienkampagne vom leninistischen Terror-Regime, sondern auch die Skepsis des liberalen Europäers. Hark Bohm ist kein Rechercheur, die widersprüchlichen Meinungen seiner Gesprächspartner vermitteln im Zusammenschnitt noch keine Wahrheit. Wohl aber deren Gesichter.

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