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FILM Bora liebt Tisa

aus DER SPIEGEL 8/1968

Ich traf sogar glückliche Zigeuner (Jugoslawien). Den Titel hat der jugoslawische Regisseur Aleksandar Petrovic, 39, ironisch gemeint. Den Rest, ein hitziges Melodram aus dem heutigen Zigeunerleben in Jugoslawien, nimmt er leider ernst.

Petrovic mischte Folklore mit Lore-Roman, filmte (an der schwelgenden Kamera: Tomislav Pinter) echte Zigeuner beim Tanzen und beim Tanzen und beim Tanzen und ließ von professionellen Darstellern folgende Begebenheit einflechten:

Der Zigeunerjüngling Bora, mit Gänsefedern handelnd und einem schlimmen Weibe angetraut, verfällt der schönen Tisa. Traurig zieht er von Gänseherde zu Gänseherde, mordet gar wegen der Kapriziösen und ward nicht mehr gesehen.

Der Folklore-Teil -- erstmals spielen Zigeuner sich selbst -- ist die bessere Hälfte: Eines der merkwürdigsten, abgeschlossensten Völker läßt sich bei Hochzeitsriten und Grablegung beobachten und sogar in die Karten sehen.

Aber auch in der klassenlosen Gesellschaft, zeigt der Film, bleiben die Zigeuner, was sie immer waren: Außenseiter.

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