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KUNST Brot und Spiele

aus DER SPIEGEL 25/1998

Ameisenomelettes, Elefantenrüssel und Klapperschlangenragout konnten abenteuerhungrige Besucher des Düsseldorfer Restaurants »Spoerri« Ende der sechziger Jahre bestellen. Der Wirt, Daniel Spoerri, war nicht auf Gourmet-Sterne aus, sondern darauf, seinen Gästen das Essen als gesellschaftliches Ritual vorzuführen. Spoerris »Eat Art« gehört in eine Avantgarde-Strömung, die seit der Nachkriegszeit die Kunst nicht mehr nur im materiellen Kunstwerk - etwa im Bild - gesucht hat, sondern wesentlich auch im Prozeß ihrer Herstellung. Dadurch wurden Musik, Tanz und Theater museumsfähig, auch Happenings, Körperskulpturen und skurrile (Selbst-)Darstellungen. Unter dem Titel »Out of Actions. Aktionismus, Body Art & Performance 1949-1979« versucht jetzt in Wien eine große Ausstellung, einen Überblick über verschiedene Ansätze dieser Kunst zu geben (vom 17. Juni bis 6. September im MAK, dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst; Katalog 480 Schilling). 150 internationale Künstler - darunter Fluxus-Größen wie Joseph Beuys oder Nam June Paik, der Neo-Realist Yves Klein, die Körperkünstler Gilbert & George - sind an der in Los Angeles zusammengestellten Wanderschau beteiligt, dennoch handelt es sich nicht um einen klassischen Kunstparcours. Denn viele Action-Werke waren für den Augenblick ihrer Darbietung gedacht; heute lassen sie sich nur anhand von Relikten, Foto- oder Filmaufzeichnungen dokumentieren. »Out of Actions« zeigt daher vor allem Kunstgeschichte. Daniel Spoerri allerdings ist mit einem frischen Werk vertreten: einem Eat-Art-Bankett »für risikofreudige Gourmets«.

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