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BUCHMESSE Buchhalterin des verpassten Lebens

Die Debütantin Larissa Boehning leuchtet in ihren Erzählungen die Einsamkeit aus
Von Nikolaus von Festenberg
aus DER SPIEGEL 41/2003

Wer in diese Erzählungen taucht, kann seine eigene Wunder- und Storysüchtigkeit entdecken. Anders als im Kino oder im Fernsehen rührt sich hier kein Donnerhall des Schicksals, leuchtet kein Licht an Tunnelenden, gibt es keine Fügungen, die Anfang und Ende zusammenreimen.

Larissa Boehning, 32, eine studierte Kulturwissenschaftlerin, erzählt in ihrem Debütband »Schwalbensommer« in zehn Geschichten von den Gescheiterten der Start-up-Generation, von einem Großelternpaar, das aneinander vorbeilebt, von Liebesbegegnungen, die wie sinnlos aus der Einsamkeit kommen und dort auch wieder enden, von Außenseitern, die sich nicht mitteilen können, und von alten Männern, die keinen Weg ins Leben mehr finden.

Was diese Chronik des verpassten Lebens und der tiefen Resignation eindrucksvoll macht, ist deren Sachlichkeit: Larissa Boehning enthält sich jeden Kommentars und jeder platten Symbolik, bleibt streng und genau auch dort, wo eigentlich alles zum Heulen ist. Die in Berlin lebende Autorin erweist sich als eine sprachlich sehr beherrschte Beobachterin der Oberfläche und leuchtet ihre Erzählungen so geschickt aus, dass die Abgründe besonders schwarz erscheinen. NIKOLAUS VON FESTENBERG

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