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Comics Butterfahrten im Weltal

aus DER SPIEGEL 18/1996

Die deutschen Comic-Leser, so scheint es, degenerieren wie das Volk der Eloi im Film »Die Zeitmaschine": Die Kinohelden marschieren auf ein Sirenensignal hin bereitwillig in den Kochtopf; die Konsumenten kaufen alles, was als Comic zu diversen Fernsehserien feilgeboten wird, obwohl die meisten dieser Machwerke das ästhetische Empfinden drastisch schädigen können. Besonders die »Star Trek«-Alben, angelehnt an die herausragende Science-fiction-Serie, sind galaktischer Schrott, der in die Umlaufbahn geschossen gehört. So auch der neue Band »Das Tabuk-Syndrom« (Carlsen, 19,90 Mark). Kirk und Co. sollen einen Bürgerkrieg verhindern, den die halunkischen Romulaner anzetteln. Diese Mission ist spannend wie eine interstellare Butterfahrt; Hintergründe spart der Zeichner großzügig aus, aber auch mit den Gesichtern ist er überfordert. »Babylon 5«, die Serie, war als Konkurrenz zu »Star Trek« konzipiert, hat aber trotz einiger guter Ideen nie die Qualität des Vorbildes erreicht. Doch der Comic ist noch um Lichtjahre schlechter als die Bildschirmabenteuer. »Verrat« (Feest, 16,80 Mark), der erste Band, ist lahm wie ein Raumkreuzer ohne Warp-Antrieb, die Zeichnungen sind hingeschmiert. Die Weiten des Weltraums - ein grauer Matsch, in dem alles ertrinkt. Ins nächste Wurmloch damit! Es geht auch anders: Die Fernsehserie »Akte X« erzählt von übersinnlichen Fällen eines FBI-Teams. Die Episoden sind phantastisch konstruiert, die Autoren spielen so geschickt mit dem Reiz des Unerklärlichen in einer Alltagswelt, daß die Serie kultisch verehrt wird. Der wunderbar düstere Comic »Wir sind nicht allein« (Carlsen, 19,90 Mark) nimmt dieses Muster gekonnt auf: Die Agenten Scully und Mulder müssen sich mit Außerirdischen und düsteren Prophezeiungen herumquälen - und mit dem Vatikan, der sich in himmlischer Bosheit um Vertuschung müht.

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