BuzzFeed Deutschland Eine Redaktion steht zum Verkauf

Wegen der Coronakrise will das US-Medienunternehmen BuzzFeed seinen deutschen Ableger loswerden. Wenn sich bis Mai kein Käufer findet, steht das Portal vor dem Aus.
BuzzFeed-Homepage auf einem Smartphone (Archiv)

BuzzFeed-Homepage auf einem Smartphone (Archiv)

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance/dpa

Dass es für die Redaktion von BuzzFeed Deutschland in Zukunft schwierig werden könnte, hatte sich schon in den vergangenen Wochen abgezeichnet: Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern, wurde über Kurzarbeit und Gehaltsverzicht gesprochen, auch der Betriebsrat hatte sich schon damit beschäftigt. Dann jedoch ging es schneller als erwartet. Am Dienstag um 16 Uhr erklärte Mark Rogers, Europachef des US-Medienunternehmens BuzzFeed, den Mitarbeitern des deutschen Ablegers, dass sie schon bald ohne Job dastehen könnten - wenn sich nicht rasch ein zahlungskräftiger Partner fände.

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Nun sucht die neunköpfige Redaktion nach einem Käufer. In einer Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, schreibt Herausgeberin Dao Nguyen: "Das Wachstum eines nachhaltigen Unternehmens erfordert derzeit mehr Investitionen, als BuzzFeed bieten kann." Aus diesem Grund sei man in den Märkten Deutschland und Brasilien gezwungen, nach Investoren zu suchen, die die Marke übernehmen könnten. "Wenn wir nicht in der Lage sind, Partner zu identifizieren, müssen wir leider den Betrieb einstellen", schreibt Nguyen.

Der Zeitrahmen für diese Suche sei eng gesteckt, heißt es aus der Redaktion: Bis Mai müsse ein Käufer gefunden sein. "Wenn jemand sich melden will, dann besser jetzt als im Juni", sagt Daniel Drepper, Chefredakteur von BuzzFeed Deutschland. Im Sommer könne es nämlich zu spät sein. 

Die Nachrichten- und Entertainment-Bereiche von BuzzFeed richten sich vor allem an ein jüngeres Publikum, das Videos und Inhalte auf Plattformen und Smartphones konsumiert, zu der Marke gehört auch die Kochvideo-Plattform Tasty. Hauptsitz ist New York, es gibt aber in mehreren Ländern weltweit Niederlassungen.

In Deutschland blickt man derzeit zwei möglichen Szenarien entgegen: In Japan arbeitet BuzzFeed erfolgreich unter der Flagge von Yahoo, seit 2015 existiert ein entsprechendes Joint Venture. "Ein solches Modell könnten wir uns für Deutschland vorstellen", sagt Chefredakteur Drepper, solange man unter den derzeitigen Bedingungen weiterarbeiten könne. Wie es im schlimmsten Fall ausgeht, konnte man vor zwei Jahren in Frankreich beobachten: BuzzFeed France wurde trotz hoher Reichweite 2018 nach vier Jahren redaktioneller Arbeit eingestellt.

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