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Cher Für immer ein Mädchen

aus DER SPIEGEL 2/2022
Foto:

imago stock / NurPhoto / IMAGO

»Wer überlebt den Atomkrieg? Die Kakerlaken und Cher!«, so ging einmal ein sehr gemeiner Witz über den amerikanischen Superstar, die unkaputtbare Künstlichkeit von Chers Erscheinung und die unwiderstehliche Macht, mit der sie sich der Vergänglichkeit entgegenstemmte.

Tatsächlich war bei ihr immer alles offen für Veränderung. Mal trug sie ihre Haare in einer roten Lockenmähne, mal blond, meistens schwarz, mal als Vokuhila, aber auch lang. Nun allerdings hat Cher, mittlerweile 75 Jahre alt, durchblicken lassen, dass es eine Grenze gebe, die sie nicht überschreiten werde: Ihre Haare ergrauen zu lassen. »Das ist für andere Frauen in Ordnung. Ich werde es aber nicht tun!«, sagte sie dem »People«-Magazin . Nun ist es Cher zwar gelungen, sich in so etwas wie ihren eigenen Avatar zu verwandeln, ein alters- und zeitloses Wesen, das wie ein Mensch gewordenes Hitradio das Beste der Sechziger, Siebziger, Achtziger und Neunziger verkörpert. Aber, sagt sie, man solle das alles nicht so wichtig nehmen. »Die Menschen, die sich darüber Gedanken machen, wie jemand sein Make-up trägt, sollten sich lieber ein eigenes Leben besorgen.«

Mit ihrer modischen Vergangenheit zeigt sie sich allerdings heute zufrieden. Dabei gibt es fast nichts, das sie nicht ausprobiert hat, Chers Outfits machten sie so populär wie ihre Musik: einen Hut aus Dutzenden Federn, Netzkleider, Paillettenroben, silberne Overknee-Stiefel und immer wieder transparente Kleider, die mehr zeigen als verhüllen. »Ich mochte das alles, wirklich«, sagt sie. Dabei habe sie auch einige lächerliche Entscheidungen getroffen. »Aber die sind mir egal.« Und das hat nichts mit Schönheitsoperationen, sondern eher mit einer mentalen Disposition zu tun: »Wenn du niemals aufhörst, ein Mädchen zu sein, dann wirst du auch niemals alt.«

evh
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