Gemalt wie gedruckt Fotorealismus-Künstler Chuck Close ist tot

Berühmt wurde er mit seinen überdimensionalen Porträts: Unmengen von Pixeln, die sich zu fotorealistischen Bildern zusammensetzen. Der US-Künstler Chuck Close ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
Chuck Close ist bekannt für seine überdimensionalen Porträts – oft malte er sich selbst

Chuck Close ist bekannt für seine überdimensionalen Porträts – oft malte er sich selbst

Foto: JOE RAEDLE / AFP

Nach übereinstimmenden US-Medienberichten verstarb Chuck Close nach langer Krankheit an Herzinsuffizienz in einem Krankenhaus in Oceanside, New York. Er wurde 81 Jahre alt.

Close gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern der USA. Bekannt war er insbesondere für seine riesigen Porträts, für die er einzelne, in Einzelteilen abgemalte Fotos in einem gitterförmigen Raster auf die Leinwand übertrug. Aus der Entfernung sind die überdimensionalen Gesichter klar zu erkennen, verschwimmen aus der Nähe aber zu einem Muster aus geometrischen Formen: Pixeln.

Zu seinen Werken zählen Porträts von Prominenten wie Präsident Bill Clinton oder des Komponisten Philip Glass, aber auch Bilder von Familienmitgliedern und zahlreiche Selbstporträts. 1973 waren seine Werke unter anderem als Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Zweimal gehörte Close zu den Teilnehmern der Documenta in Kassel (1972 und 1977).

Zuletzt war der Maler allerdings auch umstritten. 2017 warfen ihm zwei Frauen sexuelle Belästigung vor. Er habe ihnen gegenüber anzügliche Kommentare gemacht. Close entschuldigte sich: »Wenn ich jemals jemanden verlegen gemacht oder zu Unbehagen gebracht habe, tut es mir aufrichtig leid, das war nicht meine Absicht«, sagte er der »New York Times« . Seine Karriere konnte sich seitdem jedoch nicht wieder richtig erholen. Bereits 2015 wurde bei Close zudem eine seltene Demenz-Erkrankung diagnostiziert.

Geboren wurde Charles Thomas Close 1940 in Monroe im US-Bundesstaat Washington. Sein Vater war Handwerker und starb, als der Junge elf Jahre alt war. Die Mutter musste Klavierunterricht geben, um die Familie zu ernähren. Schon als Kind hatten die Eltern sein Talent erkannt und ihn auf eine Kunstschule geschickt. Anfang der Sechzigerjahre kam er über einen landesweiten Wettbewerb an die Sommerakademie von Yale an die amerikanische Ostküste. Später studierte er an der Kunst- und Architekturfakultät der Elite-Uni. Nach einem Studienjahr in Wien ließ er sich in New York nieder.

Seit 1988 war Close nach einer Blutung an der Wirbelsäule auf einen Rollstuhl angewiesen. Mithilfe von Therapien begann er aber, seine Arme zu bewegen. Er konnte mit Pinseln malen, die ihm an die Hand geschnallt wurden.

Close hinterlässt zwei erwachsene Töchter von seiner ersten Ehefrau Leslie Rose. Später heiratete er die Künstlerin Sienna Shields, das Paar trennte sich jedoch nach kurzer Zeit. In den vergangenen Jahren verbrachte er viel Zeit in seinem Atelier im New Yorker Künstler-Viertel Soho, auf seinem Anwesen in Long Island oder in Miami Beach.

ime/AP/dpa
Mehr lesen über