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Gestorben Claes Oldenburg, 93

aus DER SPIEGEL 30/2022
Foto: Moenkebild / Moenkebild / ullstein bild

Wer derzeit in Kassel die Documenta besucht und am Fuld­­a­ufer spaziert, wird auf ein Werk von Claes Oldenburg stoßen. Eine mehr als zwölf Meter hohe Spitzhacke aus blauem Stahl steckt dort seit 1982 so schräg in der Erde, als kippte sie jeden Moment um. Oldenburg erinnerte damit an den Wieder­aufbau Kassels nach dem Zweiten Weltkrieg. Angeblich hat Herkules sie an das Flussufer geschleudert. In vielen Städten stehen Skulpturen des US-Künstlers, einige auch in Deutschland, es sind riesenhafte Alltagsgegenstände oder Konsumgüter mit ironischem Witz. 50 Jahre lang verwandelte Oldenburg triviale Gegenstände in Skulpturen, seit 1976 ge­meinsam mit seiner späteren Ehefrau Coosje van Bruggen. Die Großprojekte machten ihn zu einem der populärsten Künstler der Pop-Art. Geboren wurde Claes Thure Oldenburg 1929 als Sohn eines Diplomaten und einer Opernsängerin in Stockholm. Er studierte in Yale und versuchte sich als Reporter in Chicago, besuchte dann aber das Art Institute of Chicago und illustrierte für Magazine. In den Siebzigerjahren beschlossen er und seine Frau, nicht mehr in Galerien auszustellen und stattdessen Skulpturen für den öffentlichen Raum zu entwerfen. »Wir hassten den Gedanken, hart an etwas zu arbeiten, das dann für einen Monat in einer Galerie zu sehen war«, sagte Oldenburg. Seine Kunstwerke waren für ihn auch ein politischer Akt. Claes Oldenburg starb am 18. Juli in New York.

cpa
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