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NEU IN DEUTSCHLAND Claude Mauriac: »Ein Abendessen in der Stadt«.

aus DER SPIEGEL 6/1961

Der 46jährige Sohn des

prominenten Alt-Romanciers und Nobelpreisträgers Francois Mauriac, in Frankreich bisher vornehmlich als Essayist und Filmkritiker bekannt, hat in seiner Geschichte eines Abendessens die Salon-Dialoge der traditionellen französischen Epik mit einer modernen Erzähltechnik zu kombinieren verstanden und so einen Beitrag zum »nouveau roman«, der Schule des neuen französischen Romans, gegeben. Schauplatz der Nicht-Handlung ist ein runder Tisch, an dem sich eine Gesellschaft von acht Personen - vier Damen und vier Herren - niedergelassen hat. Mauriac schildert ihre meist recht banalen Unterhaltungen über Literatur, Bekanntschaften, Geschichte, Krankheiten und Kindererziehung und gibt im stilisierten inneren Monolog ihre erotisch aufgeladenen Gedanken und Empfindungen wieder, ohne jedoch dem Leser bei der Identifizierung der jeweils sprechenden oder meditierenden Figur behilflich zu sein. Der Roman - er bricht ebenso unvermittelt ab, wie er beginnt - entbehrt trotz seiner Rätselhaftigkeit keineswegs der Spannung. (Nannen-Verlag, Hamburg; 300 Seiten; 16,80 Mark.)

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