Nach Antisemitismusskandal Claudia Roth fordert mehr Einfluss der Regierung auf die Documenta

Kulturstaatsministerin Claudia Roth reagiert scharf auf das Chaos in Kassel: Sie fordert »strukturelle Reformen« – und droht den Verantwortlichen der Documenta mit Geldentzug.
Kulturstaatsministerin Roth

Kulturstaatsministerin Roth

Foto: Malte Ossowski / IMAGO

Nach der anhaltenden Kritik an der Kasseler Kunstschau Documenta und an ihrer eigenen Rolle reagiert Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) nun mit einem Fünfpunkteplan. Bevor sie darin »strukturelle Reformen« fordert, kritisiert sie die Organisatoren der Ausstellung: »Die Geschäftsführung und das künstlerische Kuratoren-Kollektiv hatten mehrfach versichert: Es werde keinen Antisemitismus auf der Documenta geben. Darauf habe ich vertraut. Dieses Vertrauen ist enttäuscht worden.«

Kern des Papiers: Roth macht eine künftige Mitfinanzierung durch Bundesmittel »zwingend« davon abhängig, dass sie mehr Einfluss erhält. Sie wolle den Gesellschaftern – dem Land Hessen und der Stadt Kassel – eine »andere« rechtliche und organisatorische Struktur vorschlagen. Denn zurzeit habe der Bund keine »hinreichende Mitwirkungsmöglichkeit«. Künftig müsse es eine solche »unmittelbare Einbindung« aber geben. Zudem müsse neben mehr internationaler Expertise auch die »Pluralität der deutschen Gesellschaft einschließlich des Zentralrates der Juden« in die Organisation einbezogen werden. Die bisher »lokale Verantwortlichkeit« stehe im Missverhältnis zur Bedeutung der Ausstellung. Roth betonte, sie sei bereits mit der hessischen Kunstministerin Angela Dorn – ebenfalls eine Grüne – im Gespräch.

Hessens Kunstministerin Dorn

Hessens Kunstministerin Dorn

Foto: Rüdiger Wölk / IMAGO

In dem Papier fordert Roth zudem die Aufarbeitung der aktuellen Lage. Selbstkritik gibt es keine, lediglich die Vorgängerregierung sieht sie in der Mitverantwortung. Der Rückzug der Kulturstiftung des Bundes aus dem Aufsichtsrat der Documenta im Jahre 2018 sei ein »schwerer Fehler« der alten Koalition gewesen. Diese Kulturstiftung ist es, über die Bundesmittel an die Documenta fließen, für die jetzige 15. Ausgabe sind es 4,5 Millionen Euro. Insgesamt liegt der Etat der Documenta bei über 40 Millionen Euro.

Ein Sprecher der Kulturstiftung des Bundes hatte dem SPIEGEL am Mittwoch noch versichert, die Documenta sei ein kulturelles Leuchtturmprojekt, und betont, »die Leuchtturmförderungen werden für mehrere Jahre ausgesprochen, unabhängig von der jeweiligen Leitung«. Von dieser uneingeschränkten Unterstützung wurde nun offenbar abgerückt. Künftig will der Bund Geld und Einfluss verknüpfen.

Allerdings betont Roth auch in diesem aktuellen Papier, man wolle die Freiheit des kuratorischen Handels sicherstellen.

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